OLDENBURG, 10. Februar 2011


Klartext in Sachen Klimaschutz

Vortrag Ottmar Edenhofer plädiert im PFL für gerechte Entwicklungspolitik


250 Gäste hörten dem Forscher zu. Er plädiert dafür, erneuerbare Energien und klimafreundliche Technik zu fördern.

von Oliver Bloch

Oldenburg - Internationale Klimapolitik ist ein sensibles und konfliktreiches Geschäft. „Deshalb genieße ich es, meine Meinung hier frei äußern zu dürfen“, sagt Ottmar Edenhofer. Klartext statt Diplomatensprache kündigt er gleich zu Beginn seines Vortrages an, zu dem die Klimaallianz Oldenburg ins PFL eingeladen hat. Rund 250 Interessierte kamen am Dienstagabend, um dem Vorsitzenden des UN-Weltklimarates zuzuhören und mit ihm zu diskutieren.

Schon mit dem Titel spitzt er zu: „Auf dass die Inseln untergehen – (Über-)Leben nach der UN-Klimakonferenz in Mexiko“. Trotz großem Aufwand und vieler Worte enden die globalen „Klimagipfel“ regelmäßig in der Sackgasse. Und das, obwohl es längst geboten wäre, zu handeln.

Für Edenhofer und den Weltklimarat stehen nämlich drei Dinge längst fest: Der Klimawandel wird hauptsächlich vom Menschen verursacht. Ungebremst birgt er hohe Risiken, und – das Entscheidende – man kann ihn weitgehend vermeiden. „Die Herausforderung besteht darin, Klimaschutz und Entwicklungspolitik zu verbinden“, sagt der Wissenschaftler. Denn die Folgen des Klimawandels sind ungerecht verteilt. Sie treffen vor allem die armen Länder des Südens mit voller Wucht. Doch auch die reichen Nationen bekommen irgendwann die Quittung.

Das Dilemma: Zur Überwindung der Armut seien die Entwicklungs- und Schwellenländer auf ein gewisses Wirtschaftswachstum angewiesen. „Aber historisch betrachtet, ist wachsender Wohlstand seit der Industrialisierung immer mit hohem Ausstoß des Treibhausgases CO2 verbunden“, zeigt Edenhofer auf. Innerhalb dieser Logik wird es also schwierig, die Erderwärmung unter den angestrebten zwei Grad Celsius zu halten.

Der steigende Ölpreis, oft als wirksame Bremse des Klimawandels bezeichnet, helfe auch nicht weiter. „Das ist ein Mythos. Teures Öl führt zu einer Renaissance der Kohleverstromung.“ Die Atmosphäre könne als „Deponie“ aber nur noch begrenzt Schadstoffe aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas aufnehmen. Mit der Sorglosigkeit müsse daher Schluss sein.

Als Lösung schlägt der Experte einen „globalen Deal“ vor, eine wechselseitige Verpflichtung von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. „Luft, Wälder und Meere sind globales Gemeingut, das gemeinsam geschützt werden muss.“ Tragende Säule des Konzepts ist der Handel von Emissionsrechten, da CO2 nicht kostenlos in der Atmosphäre abgelagert werden dürfe.

Zudem müssten die Industrienationen erneuerbare Energien und klimafreundliche Techniken weiter sinnvoll fördern. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich diese Einsichten durchsetzen? „Ganz unwahrscheinlich“, sagt Edenhofer ohne Illusionen. „Aber den Fall der Berliner Mauer hat wenige Jahre zuvor auch niemand vorausgesagt.“

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