Drei Minuten Zeit für Eigenwerbung
Ausbildung Jobcenter organisiert für Jugendliche Bewerbungsgespräche im Schnelldurchgang
Schnell, schnell, schnell: Ganze 180 Sekunden hatten neun junge Leute, um bei Arbeitgebern aus der Gastronomie einen guten Eindruck zu machen. Das „Speed Dating“ fand im Restaurant „Tafelfreuden“ statt. BILD: Torsten von Reeken 
von Thorsten Kuchta
Oldenburg - Drei Minuten. Ganze drei Minuten Zeit haben die jungen Menschen, um sich einem potenziellen Ausbilder und Arbeitgeber zu präsentieren. Im Restaurant „Tafelfreuden“, wo sich am Donnerstag neun Jugendliche fünf Arbeitgebern aus der Gastronomie im Schnelldurchlauf präsentieren, schwirren Fragen und Sätze nur so durch den Raum. Es muss schnell gehen, denn nach drei Minuten werden die Gesprächspartner gewechselt.
Wie gesagt. Jeder hat drei Minuten. Nicht viel? Doch, sagt Bernarda Dorenkamp vom Jobcenter Oldenburg: „Die meisten von ihnen werden sonst gar nicht gesehen.“ Deswegen hat das Job-Center für 80 Jugendliche, die Hartz IV beziehen, die sogenannten „Speed Datings“ arrangiert. Noch bis in den März hinein kommen Jugendliche mit Arbeitgebern aus vielen Branchen zusammen und können sich als mögliche Nachwuchskräfte präsentieren, so etwa bei Druckhäusern, der Telekom oder in der Baubranche.
„Ich finde das super“, sagt ein junger Mann nach seinem ersten Gespräch. So ganz ohne Zeugnis und Lebenslauf sich einfach als Person zu präsentieren – das sei doch was. Sein Nachbar nickt: „Wenn man Zeugnisse schickt, wird man meistens doch gleich abgelehnt.“ Dorenkamp indes relativiert: Kinder aus Hartz-IV-Familien müssten nicht unbedingt schlecht in der Schule sein.
Stefan Aufleger, Chef im Tafelfreuden, hat bei Kollegen aus der Gastronomie für diesen Tag geworben. Gekommen sind Günter Kreuzer vom Verband der Serviermeister, Hotel- und Restaurantfachkräfte, Tomislav Turk vom Restaurant „Bei Franz“, Unimensa-Chef Clemens Scholtalbers und Marita Crölle, Chefin im „Hotel Heide“.
Aufleger, der sich seit 20 Jahren in der Ausbildung engagiert, hält den persönlichen Kontakt für sehr wichtig: „Das müssen die Jugendlichen doch später auch mit den Gästen können.“ Das könne man nicht am Zeugnis erkennen. Tomislav Turk, der noch nicht ganz so lange ausbildet, sieht es ähnlich: „Meine besten Auszubildenden hatten durchaus krumme Bildungswege.“ Er fände es allerdings besser, wenn „Speed Dating“ für alle offen wäre, nicht nur für Jobcenter-Klienten.
An diesem Freitag feiern die Jugendlichen, die Arbeitgeber und die Mitarbeiter des Jobcenters eine Projektparty von 19 bis 22 Uhr im „Cadillac“ an der Huntestraße. Alle sind willkommen zu der Feier, die die Jugendlichen selbst organisiert haben.
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