OLDENBURG, 11. Juli 2011


Virtueller Schreiber auf realem Besuch

Literatur Schriftsteller Tilman Rammstedt zu Gast in Oldenburg – Autor schreibt für Online-Projekt


Als Stadtschreiber soll Rammstedt Oldenburg übers Internet entdecken. Dennoch war er nun persönlich vor Ort.

von Patrick Buck

Oldenburg - Tilman Rammstedt ist nicht betrunken. Aber es war eine Option. Denn vor seinem Besuch in Oldenburg am Wochenende fiel dem Schriftsteller auf, dass er die Stadt eigentlich nur virtuell übers Internet entdecken sollte (die NWZ  berichtete). „5 Strategien, um der Tatsächlichkeit zu entkommen“ hatte er daher vorab in seinem Blog entwickelt. Vor Ort entscheidet er sich dann doch gegen Alkohol-Blackout, Augenbinde oder das Verbarrikadieren im Hotelzimmer.

Nun ist Rammstedt doch persönlich da und sieht, hört und riecht all das, was noch nicht in eine Datenleitung hineingepresst und somit von seiner Heimat Berlin aus nicht erlebt werden kann. Der 36-Jährige war schon in vielen Städten, Lesungen führten ihn auch nach Oldenburg. Aber wie es bei fahrenden Künstlern so ist: Sie kommen an, treten auf, schlafen und reisen wieder ab. „Es bleiben wenig Bilder“, gibt Rammstedt zu.

Als virtueller Stadtschreiber soll er sich nun im Auftrag von Stadtmarketing und Literaturbüro ein Bild machen. Die Idee dabei ist, Oldenburg allein übers Internet zu entdecken. Rammstedts erste Klicks führten ihn auf eine Verkehrsinsel am Schlosswall, die er als Zentrum Oldenburgs ausmachte, und ins Schloss, in das er trotz Ruhetags virtuell einbrach, um auf einem Gemälde die Gräfin Sophia Katharina von Oldenburg zu bewundern in ihrer „beglückend würdevollen Hässlichkeit“, wie er schreibt.

Man sollte dem Autor die kleine Unverschämtheit gegenüber der adeligen Dame allerdings nicht krumm nehmen. Das Augenzwinkern ist Teil seines Stils. „Ich benutze Humor gerne als Technik“, erzählt Rammstedt. Ein paar Lacher wird er auch in Zukunft bei den Lesern seiner kurzen Geschichten provozieren.

Vielleicht auch beim Bericht über seinen Kurzbesuch. Denn zu zwei oder drei Gelegenheiten, wie jetzt dem Kultursommer, soll Rammstedt Oldenburg doch mit seinen eigenen Augen statt über den Computer-Bildschirm erkunden. Er weiß allerdings selbst noch nicht, wie er diese Erlebnisse verarbeiten wird. „Ich nehme die Stadt ganz anders wahr“, sagt er. Nach links und nach rechts geht sein Blick, nicht auf der Suche nach Jahreszahlen oder Baustilen, sondern nach einem Ansatz für seinen nächsten Text.

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Aber keinen Stress, die Idee kommt schon noch. „Ich habe ja freie Bahn“, freut er sich, das sei das Schöne an diesem Experiment. Vielleicht hilft ja doch ein kleines Bierchen, abends beim Konzert. Man muss sich ja nicht gleich betrinken.






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