Rockmusik im Kriegsgebiet für guten Zweck
Tournee Oldenburger neun Tage in Afghanistan und Usbekistan unterwegs
Abschluss: Soldaten und Musiker versammelten sich beim letzten Konzert der Tour in Termez auf der Bühne. BILD: Wisper 
von Klaus Fricke
Oldenburg - Es ist nicht ungewöhnlich für Rockmusiker, wenn sie auch für längere Zeit mal fort sind von daheim. Dass sie der Musik wegen aber ins Kriegsgebiet von Afghanistan und nach Usbekistan reisen, ist schon höchst ungewöhnlich. Die Oldenburger Pop- und Soulsängerin Esther Filly und Mitglieder der Oldenburger Rockband Gentility haben genau dieses Abenteuer hinter sich. Am Wochenende ging die neuntägige Hindu-Kush-Tour zu den Truppenstützpunkten der deutschen Einsatzkräfte in der Region zu Ende.
Dank ihrer Verbindung zum Verein „Lachen helfen“ (eine Organisation von Polizisten und Soldaten für Kinder in Krisengebieten) hatten die Oldenburger das Angebot erhalten, an dieser Konzertserie im Auftrag der Bundeswehr teilzunehmen. Esther Filly, Julia und Dirk Michaelis, Friedrich Memtschek sowie Magnus Bamberger sagten zu – und bereuten es nicht: „Eine unglaublich intensive Erfahrung war das“, meinte Filly nach der Rückkehr. „Wir haben Menschen kennengelernt, vor denen ich tiefsten Respekt habe.“ Gemeint waren damit die deutschen Soldaten und Soldatinnen in Usbekistan und Afghanistan.
Drei Konzerte gaben Soulsängerin Esther Filly, die Hardrocker von Gentility sowie die Bundeswehr-Einsatzband Detonators & Friends, je eines im deutschen Logistikstützpunkt Termez (Usbekistan), in Kunduz und im NATO-Stützpunkt Masar e Sharif (Afghanistan). Filly trat zunächst solo auf, es folgten Gentility, ehe die Detonators verstärkt mit den Oldenburgern den Abschluss eine jeden Konzerts bildeten.
Die Bühnenarbeit war für die Oldenburger quasi Alltag, das Erleben des Kriegsgebiets (auch wenn in der Zeit ihrer Anwesenheit kein Vorfall registriert wurde) aber war das Außergewöhnliche. „Mindestens 45 Grad Hitze, Sand, Staub, immer aufpassen – das sind schon außergewöhnliche Bedingungen“, erzählt Esther Filly.
Am meisten beeindruckt war sie von den Gesprächen mit Soldaten vor und nach den Konzerten. „Alles tolle Leute“, meint sie, „die aber alle Sehnsucht haben nach der Heimat. Manchmal kommen sie sich dort am Hindukusch etwas verlassen von Familie und Freunden vor, dann brauchen sie neue Motivation.“ Da die modernen Kommunikationswege wie Internet oder Telefon in Afghanistan noch nicht sehr ausgebaut seien, seien Briefe besonders wichtig, hat Filly erfahren.
Wenn sie dieser Tage im Fernsehen Bilder von Masar e Sharif oder Kunduz sieht, merkt Esther Filly, dass sich in ihr etwas verändert hat: „Das alles ist nicht mehr weit weg. ich bin irgendwie beteiligt.“
Mit rund 4000 Euro an Spenden von den Konzertbesuchern im Gepäck ging es schließlich zurück nach Deutschland. Das Geld verwendet der Verein „Lachen helfen“ für Kinder in Kriegs-und Krisengebieten. Unter anderem werden ein Kinderheim für behinderte Kinder in Termez und ein Schulprojekt in Kunduz unterstützt.
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