Beim Kramermarkt wieder dabei
Stadtfest Philipp Rösler nimmt sein Amt von der spaßigen und der ernsten Seite
von Karsten Röhr
Oldenburg - Bei strahlendem Sonnenschein fuhr der König am Kasinoplatz vor, der Kohlkönig, nicht mit der Oldenburg-Kutsche, sondern seinem Audi A8. Handschlag für den OB, Handschlag für die Fotografen. Auf dem Weg zum Rathaus lässt sich Philipp Rösler schnell vom Oberbürgermeister instruieren. Er kommt direkt von der Besichtigung eines Turbolader-Werks in Schwanewede, nun also Oldenburg: Goldenes Buch und die Königs-Disziplin: der Fass-Anstich zur Stadtfest-Eröffnung, danach geht’s weiter nach Meppen zum St. Vitus-Werk für Menschen mit Behinderung. Diskussion über Inklusion. Im Rathaus-Eingang schnell ein Bild mit den lokalen FDP-Kandidaten, und ab in den Saal.
Da warten vor allem schon viele Wirtschaftsvertreter auf den Kohlkönig, der nur in diesem Moment „so nebenbei“ ja auch noch Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister ist. Rösler umarmt seine Parteifreunde Christiane Ratjen-Damerau und Klaus Rickert, dann präsentiert Gerd Schwandner die Schokoladenseiten dieser Stadt. Das macht er gut: Integration, Toleranz, Top-Plätze bei der Dynamik in Wirtschafts-Rankings, Bevölkerungs-Zuwachs, Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und höchstes Gewerbesteueraufkommen in der Geschichte der Stadt im Jahr 2010 – „ein Dank an die Wirtschaftsvertreter!“ – „Gern geschehen“, hallt es aus dem Saal zurück. Die Stimmung ist prima. Denn Stadtfest plus Sonne – soviel wird selten einem Kohlkönig geboten.
Rösler greift die China-Initiative auf, zu der er auch „optisch doch ganz gut passen würde“, er bewertet die Kohlkönigs-Tradition und das Stadtfest als hervorragendes Oldenburg-Marketing, er lobt die Art der Menschen hier, plädiert für ein „Besinnen und Hochhalten von Tradition und Heimat“ auch als Kraftquelle für ökonomischen Erfolg und vergisst am Ende die 19 Stadtreinigungs-Mitarbeiter nicht, die die 20 Tonnen Festmüll wieder wegräumen werden.
Dass er sein Amt bei allem Spaß auch ernst nimmt, klingt aus diesem Satz: „Als zuletzt die neuen Ämter dazu kamen, habe ich erst mal alle Grünkohltermine geblockt und dann die anderen Termine gemacht.“ Im Goldenen Buch dankt der Vizekanzler den „verehrten Oldenburgerinnen und Oldenburgern“ für die „große Ehre“ Grünkohlkönig sein zu dürfen und wünscht allen „Glück, Gesundheit und Gottes Segen – mit den allerbesten Grüßen, Ihr Philipp Rösler“.
Bald will er wiederkommen. Zum Kramermarkt. Und Sonne, die soll dann auch wieder scheinen, sagt der König.
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