OLDENBURG, 2. September 2011


Zwei Chefinnen in Teilzeit

Arbeitswelt Landessparkasse führt neues Modell ein – Mütter wechseln sich ab


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Leiten gemeinsam eine LzO Filiale (von links): Susanne Reichert und Alexandra Hartmann BILD: Linda Pleis  Bild vergrößern

Zum ersten Mal gibt’s eine geteilte Führungsposition. Die LzO geht das Thema offensiv an.

von Thorsten Kuchta

Oldenburg - Eine Filiale, zwei Chefinnen – das gibt’s ab sofort bei der Landessparkasse zu Oldenburg. Susanne Reichert (37) und Alexandra Hartmann (33) leiten seit diesem Donnerstag die Filiale am Julius-Mosen-Platz – gemeinsam. Dass die Verantwortung für eine Filiale in den Händen zweier Menschen liegt, ist neu. Und für die beiden das Tor zum beruflichen Aufstieg. Denn: „In Vollzeit wäre diese Aufgabe für keinen von uns zu leisten gewesen“, sagen Hartmann und Reichert.

Die Mütter je zweier Kinder betreten beruflich-organisatorisches Neuland. „Wir gehen schon so etwas wie eine Partnerschaft ein“, sagt Hartmann, die von montags bis mittwochs in der Filiale ist. Reichert nickt: „Wir hatten 14 Tage, um uns kennen zu lernen und zu schauen, ob es passt. Wir müssen ja viel absprechen“, sagt Reichert. Sie übernimmt stets mittwochs und führt bis Freitag. Beide sind sicher, dass ihnen ihre Erfahrung im Familienmanagement den Schritt erleichtern wird: „Wir sind es gewohnt, schnell auf neue Situationen zu reagieren.“

Beide waren nach der zweiten Elternzeit bereits wieder bei der LzO tätig, als Personaldirektor Johannes Reichelt ihnen das ungewöhnliche Angebot unterbreitete, als Teilzeit-Chefinnen zu arbeiten. 27 Prozent der Führungskräfte sind bei der Landessparkasse bereits Frauen, doch für Reichelt ist dieser Anteil durchaus ausbaufähig. Mit dem Modell der Doppelspitze in Teilzeit eröffne das Unternehmen einen von vielen möglichen Wegen, sagt Reichelt. Er verhehlt nicht, dass auch wirtschaftliche Motive dahinter stecken: „Wir investieren in die Damen, die Damen investieren in sich – das müssen wir am Ende auch nutzen!“

Zurzeit laufen daher bei der LzO Workshops mit 80 Frauen, die an Führungspositionen interessiert sind. Die Bank will ausloten, welche Hürden dem im Wege stehen. Gleichzeitig müssten Frauen entschiedener werden, sagt Reichelt. Je höher das interne Ausbildungsangebot sei, desto geringer werde der Anteil der Frauen unter den Bewerbern. Da müssten auch die Frauen mehr Flagge zeigen.

Die beiden neuen Filialleiterinnen wurden denn auch von der Personaldirektion angesprochen. Beide waren mit ihrer gegenwärtigen Stelle eigentlich zufrieden, die Direktion aber meinte, dass ihre Qualifikationen sie zu mehr befähige. Beide Frauen hatten schnell nach der Geburt ihrer Kinder wieder begonnen zu arbeiten, Alexandra Hartmann beim ersten Kind schon nach acht Wochen. Daher weiß sie, dass die Hürden auch in der Gesellschaft liegen: „Da wird man schon mal schief angeguckt.“ Man müsse die Menschen überzeugen, auch familiär, sagt sie.

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Und in diesem Zusammenhang könnte ihr Job-Sharing auch als Vorbild wirken. „Vielleicht auch für Männer“, sagt Susanne Reichert. Die würden schließlich in den Familien auch gebraucht.






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