OLDENBURG, 10. Oktober 2011


Pflegebedürftige sollen künftig seltener fixiert werden

Soziales Amtsgericht und Stadt wollen Heime für gemeinsames Ziel gewinnen – Mehr Rechtssicherheit


kuc

Oldenburg - Brisantes Thema für die Pflege: Stadt und Amtsgericht veranstalten am Mittwoch, 12. Oktober, gemeinsam eine Info-Veranstaltung über die Praxis der Fixierung von Pflegeheimbewohnern. Vorgestellt wird der „Werdenfelser Weg“, eine seit 2007 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen entwickelte Initiative, die den Anspruch hat, Fixierungsmaßnahmen auf ein unvermeidbares Minimum zu reduzieren. Dieser Weg soll auch in Oldenburg beschritten werden – und Stadt und Amtsgericht wollen möglichst viele Einrichtungen mit ins Boot holen.

Hintergrund ist, dass Pflegeeinrichtungen stets abwägen müssen zwischen der Absicht, durch Fixierung mit Gurten oder Bettgittern Stürze zu vermeiden, und der Einschränkung der Freiheit, die mit einer solchen Maßnahme zwangsläufig verbunden ist – und die für weniger Lebensqualität sowie physischen und psychischen Abbau sorgen kann. Nach Ansicht von Experten befürchten viele Verantwortliche aber, dass im Falle einer Verletzung die Abwägung für die persönliche Freiheit von den Krankenkassen im Nachhinein als „unverantwortlich“ bezeichnet wird. Regressansprüche können die Folge sein. Ergebnis: Es wird vermehrt fixiert.

In Garmisch-Partenkirchen stehen den Pflegeeinrichtungen beim Amtsgericht speziell ausgebildete Verfahrenspfleger zur Verfügung, die im gerichtlichen Auftrag jeden Fixierungsfall lange diskutieren und mit dem Heim und Angehörigen Alternativmaßnahmen überlegen. Das Ergebnis wird in einer gerichtlichen Entscheidung festgehalten, die in der Regel die Genehmigung für die Fixierung versagt. Das schafft Rechtssicherheit für die Einrichtungen im Fall eines Unfalls und erhält den Pflegebedürftigen ein Gutteil ihrer Freiheit.

 @ Mehr Infos unter http://www.justiz.bayern.de/gericht/ag/gap/daten/02939/

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