„Nur ein Anlass zum Feiern“
Halloween fällt zusammen mit dem Reformationstag. Pastorin Silke Steveker spricht über die Konkurrenz der Feste.
FRAGE: Welche Bedeutung hat der Reformationstag für Sie persönlich?
STEVEKER: Der Reformationstag hat für mich eine große Bedeutung, weil Luthers Interpretation des Glaubens die Grundlage meines Glaubens ist. Zu wissen, dass allein Christus, der Glaube und die Heilige Schrift mich vor Gott gerecht machen, ist wichtig für mich.
FRAGE: Stehen der Reformationstag und Halloween in Konkurrenz zueinander?
STEVEKER: Nein, das denke ich nicht. Zum einen hat der Reformationstag schon längst seine gesellschaftliche Bedeutung verloren. Das zeigt sich daran, dass der Tag in Niedersachsen kein gesetzlicher Feiertag mehr ist. Zum anderen besteht keine inhaltliche Konkurrenz, weil Menschen, die Halloween feiern, nicht für eine religiöse Überzeugung eintreten, sondern eher einen Anlass zum Feiern wahrnehmen. Hätte die evangelische Kirche ähnliches Werbekapital wie die Süßigkeiten-Industrie zur Verfügung, könnte der Reformationstag vielleicht in Konkurrenz zu Halloween treten.
FRAGE: Was halten Sie von Halloween?
STEVEKER: Ich halte nichts davon, wie es heute gefeiert wird. Das ist Kommerz. Über die Ursprünge des Festes, wandelnde Tote zu besänftigen, sind wir längst hinweg.
FRAGE: Sie feiern also nicht mit?
STEVEKER: Nein, ich muss nicht mitfeiern. Wir setzen unser eigenes Fest dagegen: Um 10 Uhr beginnt in der St. Lamberti-Kirche ein Gottesdienst. Von 17.11 bis 20 Uhr gibt es rund um die Kirche Aktionen für Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugenddienst. Auf dem Sockel wird ein Lagerfeuer entzündet, und wir bieten Spiele und eine Andacht an. Es geht auch um Spaß, denn Reformation bedeutet auch, dass der christliche Glaube von Zwängen befreit wird.
FRAGE: Darf man als Christ überhaupt Halloween feiern?
STEVEKER: Ja natürlich, es gibt kein Verbot. Muttertag und Valentinstag darf man schließlich auch feiern. Es gibt aber andere Feste, die ihren Ursprung in christlichen Gedenktagen haben, die ich für sinnvoller halte. Dazu gehört der Martinstag: Dabei geht es darum, armen Menschen zu helfen.
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