Flüchtlinge landen auf Fliegerhorst
Asylbewerber Familie aus Syrien bezieht Unterkunft – Begrüßung mit orientalischem Buffet
Entspannung nach der Ankunft auf dem Fliegerhorst: Ali Birou (links) mit seiner Familie BILD: Marius Meyer 
von Marius Meyer , Markus Minten Und Rainer Dehmer
Oldenburg - Als schon fast alle Fahrgäste, die in Oldenburg aussteigen, den Intercity 2432 verlassen haben, wird es am Ende des Zuges ein bisschen hektisch. Ali Birou, 45, muss seine Familie samt Gepäck koordinieren. Er versammelt seine Frau Maha, 35, und die acht Kinder auf dem Bahnsteig. Die jüngste Tochter ist vier Jahre alt. Die Familie floh vor der Gewalt in Syrien, wo das Regime von Baschar al-Assad militärisch gegen oppositionelle Demonstranten vorgeht. Ali Birou ist im Stress. „Wir müssen weiter, zum Taxi, wir haben keine Zeit.“ Die Familie folgt den Mitarbeitern von der Bahnhofsmission und der Stadtverwaltung, die sie am Bahnsteig in Empfang genommen haben, zum Hinterausgang beim ZOB. Auch zwei im Kreis Cloppenburg lebende Verwandte der Familie gehören zum kleinen Begrüßungskomitee.
Angehörige der Yeziden
Vor sechs Wochen seien sie aus Ras al-Ain geflohen, einer Stadt, die im Norden Syriens direkt an der türkischen Grenze liegt, erzählt der Familienvater. Seit April gebe es dort gewaltsame Auseinandersetzungen. Birou berichtet, dass es in der Stadt, die rund 24 000 Einwohner hat, Tote und Verletzte gebe. „An manchen Tagen sind es sieben, an anderen zehn, 15 oder 20“, schätzt Birou. Der gelernte Elektriker zählt zu den Yeziden – einer kurdischen Volksgruppe mit einer eigenständigen Religion.
Mit dem Zug sind die Birous aus Braunschweig gekommen. Dort waren sie in einem Wohnheim der niedersächsischen Landesaufnahmeeinrichtung untergebracht. Mit einem Taxi und einem Kleinbus fahren sie zu dem Asylbewerberheim auf dem Fliegerhorst. Dort steht ein kleines Buffet aus orientalischen Speisen und Süßigkeiten zur Stärkung bereit. Die Birous sind die ersten Bewohner der umstrittenen Unterkunft auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände an der Stadtgrenze zu Ofen.
Im Asylheim wohnt die Familie nicht allein. Am Nachmittag treffen neun Männer aus Syrien ein. Sie beziehen drei Zimmer im Erdgeschoss. Damit sind bisher sechs der 35 Schlafzimmer im ersten Gebäude belegt. Das etwas kleinere Nachbargebäude wird derzeit saniert. Es soll voraussichtlich Anfang Dezember zur Verfügung stehen.
In den nächsten Wochen will das Land weitere Flüchtlinge in kleinen Gruppen nach Oldenburg schicken. Bis zum Jahresende sollen etwa 120 Menschen in den beiden Gebäuden wohnen. Die ehemalige Soldaten-Unterkunft bietet nach Angaben der Verwaltung Platz für bis zu 160 Menschen. Ab dem nächsten Jahr wird eine Firma das Asylheim in eigener Regie betreiben. Nach der Ausschreibung hatten drei Interessenten ihre Bewerbung im Rathaus abgegeben. Über die Auftragsvergabe will der Verwaltungsausschuss am Montag, 14. November, entscheiden.
In der Übergangszeit betreibt die Verwaltung die Unterkunft in eigener Regie. Drei Sozialarbeiter sind werktags von 8 bis 17 Uhr vor Ort, um sich um die Belange der Menschen zu kümmern. Hausmeisterdienst, Reinigung und Pfortendienst erledigt eine beauftragte Firma.
In jeder der drei Etagen stehen den Bewohnern Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsraum und Duschen zur Verfügung. Waschmaschinen und Trockner befinden sich im Keller. Dort finden die Asylbewerber auch Fahrräder für Fahrten in die Stadt. Nach Auskunft der Verwaltung sollen demnächst auch ein Spielzimmer und ein Spielplatz eingerichtet werden. Unklar sei derzeit aber noch, welche Kindergärten und Schulen die jungen Flüchtlinge besuchen werden.
Kritik aus Zwischenahn
Laut Jugendamtsleiter Frank Lammerding hat die Gemeinde Zwischenahn abgelehnt, dass die Asylbewerber – im Gegensatz zu den Kindern aus der zu Oldenburg gehörenden Flughafensiedlung – Grundschule bzw. Kindergarten in Ofen besuchen dürfen. Bürgermeister Arno Schilling verweist in diesem Zusammenhang auf die Haltung der Nachbarkommune: „Solange die Stadt Oldenburg in keiner Weise bereit ist, mit uns über die gesamte Anlage zu reden, bleiben wir bei unserer Haltung.“ Er betonte, dass die Gemeinde sich gegen die Art der Planung wehre, nicht gegen die Flüchtlinge.
Ungeachtet der Zurückweisung einer Beschwerde gegen die Baugenehmigung durch das Landessozialministerium, auf deren Grundlage Oldenburg die Kasernengebäude in Flüchtlingsunterkünfte umgewandelt hat, halte die Gemeinde an ihrer Rechtsauffassung fest.
„Wir werden prüfen, wie wir unsere Rechtsposition wahren können“, so Schilling. „Das werden wir aber nicht ohne die Gremien tun.“
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