OLDENBURG, 22. November 2011


Oldenburg: Jüdische Gemeinde lobt mutigen Polizisten

Friedhofs-Anschlag Dank an Thole Schlömer für beherzten Einsatz – Täter weiterhin flüchtig


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Treffen vor der Synagoge (von links): Thole Schlömer erhielt von Sara-Ruth Schumann im Beisein von Johann Kühme einen Blumenstrauß als Dank. BILD: Rainer Dehmer  Bild vergrößern

Die Polizei geht bei der Tat von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Ermittlungen führt der Staatsschutz.

von Rainer Dehmer

Oldenburg - Im Streifendienst schaute er in den vergangenen Jahren unzählige Male nach dem Rechten auf dem jüdischen Friedhof an der Dedestraße. „Deshalb ist es für mich auch in meiner Freizeit selbstverständlich, einzugreifen, wenn es erforderlich ist“, erklärt Thole Schlömer seinen couragierten Einsatz in der Nacht zu Sonnabend.

Der 39-jährige Polizeikommissar schritt in der Nacht zu Sonnabend ein, als fünf Maskierte die Gräber auf dem jüdischen Friedhof mit Farbbeuteln bewarfen (NWZ  berichtete). Als Dank für das mutige Auftreten wurde der Beamte am Montag in die Synagoge an der Wilhelmstraße eingeladen. Dort bedankte sich Sara-Ruth Schumann, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg und ?Mitglied des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland, offiziell bei Schlömer mit einem Blumenstrauß. „Sie haben großen Mut gezeigt. Wir wünschen uns, dass andere Ihrem Beispiel folgen“, lobte sie den erfahrenen Polizisten von der Wache an der Wallstraße. „Das war schon ein bemerkenswertes Engagement“, schloss sich Polizei-Chef Johann Kühme dem Lob an.



In der Nacht zu Sonnabend befand sich Thole Schlömer auf dem Nachhauseweg, als er an der Ecke Dedestraße/Dragonerstraße fünf vermummte Gestalten entdeckte. Sie warfen Beutel mit weißer Farbe in Richtung des Friedhofs. Nachdem er sich als Polizist zu erkennen gegeben hatte, rannten die Täter davon. Vor der Freizeitstätte Kampstraße konnte Schlömer einen aus der Gruppe fassen. Der unbekannte Mann wehrte sich und sprühte dem Beamten Pfefferspray ins Gesicht. Der Verletzte informierte sofort seine Kollegen. Die zum Teil mit Springerstiefeln und Bomberjacken bekleideten Täter konnten jedoch entkommen.

Sara-Ruth Schumann vermutet, dass es sich bei einem Farbbeutel-Anschlag um eine gezielte Aktion handelte. Auch die Polizei geht laut Kühme von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Die Ermittlungen führt das für Staatsschutzdelikte zuständige Kommissariat. Konkrete Hinweise auf die Täter lagen am Montag noch nicht vor.

Einen Anschlag auf den Friedhof hatte es zuletzt 1992 gegeben. Damals waren einige der 230 Grabsteine mit Hakenkreuzen geschändet worden. Zur Höhe des aktuellen Schadens kann die Vorsitzender Gemeinde noch nichts sagen: „Es wird jetzt untersucht, wie die Farbe von den sechs Granit-Grabsteinen am besten entfernt werden kann.“

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