OLDENBURG, 6. Dezember 2011


Hebammen wollen auf ihre Kosten kommen

Gesundheit Protest gegen hohe Versicherungsbeiträge und niedrige Honorare – 237 Euro pro Geburt


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Protest: Die freiberuflichen Hebammen streikten. Es geht um eine bessere Bezahlung. BILD: Carmen Jaspersen/dpa  Bild vergrößern

von Sabine Schicke

Oldenburg - Die 50 freien Oldenburger Hebammen haben endgültig die Nase voll. Die Versicherungsbeiträge steigen, die Honorare stagnieren. Einen Tag lang haben sie daher gestreikt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Die Honorarsätze sind seit vielen Jahren unverändert“, klagt Hebamme Ellen Matzdorf als Sprecherin des Oldenburger Geburtshauses. „Wir wollen wirklich keine Schwangere hängen lassen, aber wir müssen ja auch überleben.“

Bereits im Frühjahr hatten die Hebammen mit einer Protestaktion auf dem Julius-Mosen-Platz auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Nach wie vor geht es den Geburtshelferinnen einerseits um die Abrechnungsmodalitäten, andererseits aber auch um das daraus folgende Aufgeben vieler freier Hebammen. Bundesweit etwa 15 Prozent haben ihre Praxis schon geschlossen. Das spüren auch die Oldenburger Hebammen, die das Umland mitversorgen.

Ellen Matzdorf rechnet damit, dass noch mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben werden, wenn nicht bald etwas passiert. Auch von der Politik fühlen sich die Frauen allein gelassen. „Wir haben auch eine Petition eingereicht, aber es ist nicht wirklich etwas passiert“ sagt sie.

3800 Euro muss eine Hebamme allein für ihre Betriebshaftpflicht jährlich zahlen, 1991 reichten dafür noch etwa 200 Mark, rechnet Ellen Matzdorf vor. Schließlich können bei der Geburt Komplikationen auftreten, für die auch eine Hebamme haftet. Abrechnen darf eine Beleghebamme, die einem Baby im Krankenhaus auf die Welt hilft, etwa 237 Euro. Betreut sie eine Frau bei einer Hausgeburt, darf sie 680 Euro abrechnen – und entbindet die Frau in einem Geburtshaus, dürfen 500 Euro in Rechnung gestellt werden.

Für einen Wochenbettbesuch darf die Hebamme genau 27 Euro mit der Krankenkasse abrechnen. Und dabei sei es unerheblich, ob der Besuch 20 Minuten oder 3 Stunden dauere, berichtet Ellen Matzdorf, die aus jahrelanger Erfahrung weiß, dass gerade Mütter, die ihr ersten Kind geboren hätten, mehr Unterstützung bräuchten. „Und genau so verstehen wir ja auch unseren Beruf. Wir gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Frauen ein und können und wollen keine pauschalisierte Minimallösung.“

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Verbittert sind die Hebammen darüber, dass ihnen die Krankenkassen nun nur 1,9 Prozent Anhebung der Abrechnungsmodalitäten angeboten haben. „Das ist ja nicht einmal ein Inflationsausgleich“, schimpft Ellen Matzdorf. Protestbriefe sollen nun die Kassen erweichen.






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