Ganz ohne Krautrock geht’s nicht
Cd Neues Album von Fröhling & Schicke – Esther Filly stellt Erstling vor
Kleine Sensation: CD mit altem SFF-Logo, Cover von Puck Steinbrecher und Beiheft mit den beteiligten Musikern BILD: Klaus Fricke 
von Klaus Fricke
Oldenburg - Es ist eine kleine musikalische Sensation, die aufhorchen lässt: Über 30 Jahre nach dem Ende der Oldenburger Prog-Rock-Band Schicke, Führs, Fröhling gibt es so etwas wie einen Nachfolger dieser bis heute von den Fans kultisch verehrten Band. Deren verbliebene Mitglieder Heinz Fröhling und Ede Schicke (Gerd Führs starb bereits 1992) haben unter dem Titel „Metamorphosen“ eine CD herausgebracht, die dem Geist des 70er Jahre Krautrocks huldigt, zugleich aber sehr aktuell klingt.
Dass diese „Metamorphosen“ dem Publikum überhaupt die Wandlung und Übertragung des damals so populären harten Jazzrocks und voluminösen Progressive-Rock von SFF in eine zeitgemäße Musiksprache beweisen können, ist purer Zufall. „Seit langem fragen Fans besonders aus USA und Japan nach neuem Material der Band“, erzählt Gitarrist Heinz Fröhling. Seit zwei Jahren produzierte er darum im Alleingang neue Songs in der Art von SFF – „doch irgendetwas fehlt“, gestand er sich schließlich ein. Auch die Hilfe von Schlagzeuger Ede Schicke bewies nur: Ohne den verstorbenen Organisten Gerd Führs geht’s nicht.
Die Instrumentalaufnahmen wären wahrscheinlich auf ewig in Fröhlings Keller verschwunden, wenn er nicht im Sommer den Oldenburger Schriftsteller Klaus Modick kennengelernt hätte – beim Urlauben auf Mallorca. Man verstand sich privat sehr schnell und noch schneller musikalisch: Modick erhielt eines Morgens eines der Instrumentalstücke und hatte abends bereits einen Text dafür fertig. Fröhling und Schicke waren begeistert: Das fehlende Puzzle war gefunden, die Band, die nie gesungen hatte, fand plötzlich ihre Stimme.
Die Stücke mit den Texten Modicks beherrschen die „Metamorphosen“ deutlich – doch drei weitere Songs beweisen, dass auch englische Worte die Musik von Fröhling & Schicke ideal unterstützen (bestes Beispiel dafür ist „Still here“, eine Verbeugung vor Gerd Führs). Die für frühere Verhältnisse ungewöhnlich kurzen Stücke (drei bis sechs Minuten) beweisen die Fähigkeit der Musiker, griffige Lieder mit elegischen Fantasien zu komponieren. Für den Rest sorgt Modicks passende Lyrik.
An „Metamorphosen“ wirken außerdem noch Claudia und Emily Fröhling (Gesang) sowie Herbert Führs (Schlagzeug) mit.
Soul mit Begeisterung
Während Fröhling & Schicke ihr neues Werk bereits in den Regalen haben, muss sich Oldenburgs Soulsängerin Nummer 1 noch ein paar Tage gedulden: Am 15. Dezember wird Esther Fillys erste reguläre CD „Oh Yeah“ veröffentlicht – „aber das Warten wird sich lohnen“, freut sich die Sängerin (ovales Bild). Zusammen mit ihrer Band Ridstyle hat sie zwölf Titel aufgenommen, die zum Teil seit langem schon zum Live-Repertoire der Gruppe gehören, zum Teil bisher unveröffentlicht sind. Soul, Blues und Electro sind ihre Stile, „doch vor allem soll unsere Musik Spaß machen und Mut geben“, sagt Esther Filly. Die Begeisterung, die daraus spricht, ist in jedem ihrer rhythmusbetonten Songs zu spüren – und in ihrer einzigartigen Stimme ohnehin.
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