OLDENBURG, 9. Januar 2012


Von Mozart-Serenaden bis hin zu Mozart-Kugeln

Neujahrskonzert Im ausverkauften Großen Haus entdeckt polnisches Quartett viel Unkomponiertes


von Horst Hollmann

Oldenburg - Der Theologe Karl Barth hat vermutet: Im Himmel singen die Engel immer Bach. Doch wenn Gott ihnen mal nicht zuhört, dann vergnügen sie sich viel lieber mit Mozart. Also darf man schlussfolgern: Träte das Streichquartett „MozART group” bei ihnen auf, würden sie sofort einen Fanclub gründen.

Nun sind die vier Polen zum Glück sehr erdverbunden. Das kommt den Zuhörern im ausverkauften Großen Haus beim Neujahrskonzert des Vereins der Musikfreunde zugute. Sie finden Filip Jaslar und Michal Sikorski (Violine), Pawel Kowaluk (Viola) und Boleslaw Blaszczyk (Cello) jetzt schon himmlisch. Dass die Musiker-Komiker schließlich mit bandagierten Armen Arbeitsunfähigkeit anzeigen, bewahrt sie nicht vor Zugaben. Erst mit dem Finalsatz der „Kleinen Nachtmusik” werden sie entlassen.

Mozart ist Ausgangs- und Endpunkt und oft Zwischenstation. Zwei Takte aufwärts steigend als Einstieg, zwei abwärts als Abrundung, eine ebensolche Phrase als Antwort: Der Beginn der berühmtesten Serenade ist auch ein Meisterwerk musikalischer Ordnung und Ökonomie. Doch davon halten die Musiker nichts. Was hat der Wolfgang Amadeus bei seiner Nachtmusik nicht alles ausgelassen? Synkopen, Jodler, Balkanfolklore, Ragtimes.

Aber auch Rossini, Grieg, Boccherini, Beethoven, Rodrigo, Brahms, Joplin, die Beatles oder Elton John haben komponiert. „Elise” ist zu besingen, Ravels Bolero-Rhythmus mit den Füßen zu klackern. Geigen, Bratsche und Cello fordern innovative Spieltechniken. „MozART” macht nicht nur ein Programm für Engel sondern notfalls auch für Banausen. Diese Mischung in der Schwebe zwischen Überfeinerung und Plattheit zu halten, zwischen Natürlichkeit und Nachdrucksschwere, ist die hohe Kunst der Polen und ihre Versicherung gegen Klamauk. Da können sie auch Opernsänger Alexej Kosarev auf die Bühne lotsen und mit ihm „O sole mio” schmettern.

Jaslar trägt als Primgeiger erfrischend schwer an der Verantwortung fürs Quartett. Kompagnon Sikorski schlägt gern über die Stränge. Kowaluk hält die Fahne des seriösen Künstlertums hoch. Blaszczyk ergründet den Sinn des Musikerlebens. Die endlose Basslinie im Kanon von Pachelbel erlaubt ihm Bedenkzeit. Einst stand er vor der großen Karriere, was er lässig mit den Eingangstakten von Haydns C-Dur-Konzert betont. Aber nun streicht er diese 28 Kanon-Takte, immer Halbe hin und her. Da kommt über die Jahre eine ordentliche Bogenstrecke heraus: „Von Cottbus nach Leipzig - aber über Rostock!“ Gut, dass manchmal Pizzicati die Wege verkürzen.

ANZEIGE

Und gut, dass im Namen Mozarts körperlich Nahrhaftes auf dem Markt ist. Was gibt es neben der Gage zum Künstlerlohn? Mozartkugeln.






WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Hilfe für die Seele bei Diagnose Krebs

25.05.2012 - Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Nichts ist danach mehr so, wie es war. Weder für die Erkrankten, noch für deren Familien. Spricht man mit Krebspatienten, erinnern sie sich an die Details jener Situation, als sie die Diagnose hörten.mehr

OTB sucht Zeugnisse seiner Geschichte

25.05.2012 - Der Archivar des Oldenburger Turnerbundes (OTB) hat derzeit viel zu tun. Matthias Schachtschneider überarbeitet das Archiv des OTB. Es ist das größte und inhaltsreichste Archiv aller Oldenburger Turn- und Sportvereine.mehr

Brisanter Krimi über Kinderarmut

25.05.2012 - Der englische Titel von „Verschwunden“, das jetzt im Staatstheater Premiere feiert, heißt „Missing (Looking for Grethel)“. Und schon ahnt man, welches Märchen der britische Autor Charles Way, Jahrgang 1955, zur Grundlage seiner Arbeit genommen hat.mehr

Weichen für Bahn-Vergleich gestellt

25.05.2012 - Viele Bahnanlieger in Oldenburg können auf Lärmschutz schon im kommenden Jahr hoffen. Nach der Stadt will auch die GSG dem Vergleichsangebot der Bahn zustimmen. Und die privaten Kläger sowie die Initiativen IBO und LiVe teilten am Donnerstag mit: „Wir sind grundsätzlich vergleichsbereit“, so IBO-Vorsitzender Christian Röhlig.mehr

OTB sucht Zeugnisse seiner Geschichte

25.05.2012 - Der Archivar des Oldenburger Turnerbundes (OTB) hat derzeit viel zu tun. Matthias Schachtschneider überarbeitet das Archiv des OTB. Es ist das größte und inhaltsreichste Archiv aller Oldenburger Turn- und Sportvereine.mehr

TIPP DER WOCHE
Anzeige
Umfrage

Welche Chancen räumen Sie der deutschen Elf bei der Fußball-EM ein?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
23 °C
7 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat