Energiespar-Haus mit Charme der 70er
Altbausanierung Aus altem Flachdachbungalow wird Haus mit Energieverbrauch unter Neubaustandard
Freude über gelungene Sanierung (von links): Jörg Linnemann und Robin Geide mit Architekt Jörg Meißner. BILD: Thorsten Kuchta 
von Thorsten Kuchta
Oldenburg - Die Bausubstanz war sehr gut, die Energiebilanz verheerend: Das 169-Quadratmeter-Haus von 1978, auf das Robin Geide (33) und Jörg Linnemann (32) ein Auge geworfen hatten, war ein Fall für größere Investitionen auf solider Grundlage. „Eigentlich“, sagt Linnemann, „wollten wir eine Hundehütte“. Aber Lage und Bausubstanz ließen die beiden bei dem Flachdachbungalow im Siebziger Jahre-Stil zugreifen.
Sie kauften das Haus Mitte 2010, steckten rund 130 000 Euro in die energetische Sanierung, und bewohnen heute ein Gebäude, das modernes, lichtdurchflutetes Wohnen ermöglicht und in der Energiebilanz um 15 Prozent unter dem aktuellen Standard für Neubauten liegt: Vor der Sanierung wurden pro Quadratmeter 381 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr für Heizzwecke benötigt, nach der Sanierung sind es 69.
Michaela Hechsel, die sich in der Stadtverwaltung um die Themen Energie- und Klimaschutz kümmert, sieht das Haus an der Junkerstraße in Donnerschwee als herausragendes Beispiel für eine energetische Sanierung: „Diese Werte erreichen wir bei Einfamilienhäusern ganz selten.“ Da Oldenburg über viele unsanierte Altbauten verfügt, darunter sehr viele frei stehende Einfamilienhäuser, liegt der Durchschnittsverbrauch über dem Bundes-Schnitt. Ein lohnender Ansatz für Klimaschutz und Energiesparen.
Architekt Jörg Meißner (34, Büro Team-Ing2) hält das Ergebnis der Sanierung für „das beste, das zu vernünftigen Kosten zu erreichen ist“. Gemäß seinen Planungen wurde das Flachdach mit einem Pultdach inklusive 30 Zentimeter Mineralwolledämmung überbaut. In das doppelschalige Mauerwerk wurde eine Einblasdämmung eingebracht, die nach Süden ausgerichteten Fensterfronten (und Dachfenster) sorgen dafür, dass die Sonne selbst im Winter wärmt.
Die alte Gasheizung wurde durch eine Brennstoffzelle ersetzt, die Wärme und Strom erzeugt, und mit einer niedrigen Vorlauftemperatur via Fußbodenheizung heizt. Als technische Finesse wird die ab Frühjahr nötige Verschattung ebenso wie Heizung und Elektrik des Hauses zentral und zum Teil automatisiert über eine zentrale Steuerungseinheit gesteuert. Das betrifft auch die zentrale Lüftungsanlage.
„Wir dürfen natürlich jedes Fenster öffnen – müssen aber nicht“ – mit diesem Satz reagiert Robin Geide auf stereotype Kritik an der Lüftung, „die es immer noch gibt“. Für die beiden Hausbewohner bedeutet die Lüftung ein großes Plus an Wohnkomfort, „etwa wenn man sich nach dem Duschen nicht darum kümmern muss, wie die Feuchtigkeit aus dem Haus kommt“.
In sanierten Häusern „ist eine Lüftung ein Muss“, sagt Architekt Meißner. Doch nicht nur in dieser Hinsicht haben die Eigner ihm vertraut. Auch bei der Beantragung der KfW-Förderkredite („ohne die hätten wir es nicht geschafft“) und der Frage möglicher Eigenleistung habe sich die Zusammenarbeit mit einem Architekten bewährt. Das Ergebnis? Linnemann und Geide begeistert: „Wohnkomfort pur, große, helle Räume, in denen wir den Charme der 70er zum Teil erhalten haben – und höchst aktuelle Technik.“
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