OLDENBURG, 4. Februar 2012


Nur wenige Eisrutscher auf den Bornhorster Wiesen

Wetter Einige nutzen einzige Schlittschuhlauf-Möglichkeit – „Auch Stück Heimatgefühl“


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Vergnügen auf dem Eis: Diese drei Jungen nutzen unterhalb von Elsflether Straße und Parkplatz dick eingemummelt die Möglichkeit, ein Stück über die überfrorenen Bornhorster Wiesen zu rutschen. BILD: Karsten Röhr  Bild vergrößern

Noch gibt es in Oldenburg nur diese eine Möglichkeit, aufs Eis zu gehen. Das Verbot finden nicht wenige Bürger übertrieben.

von Karsten Röhr

Oldenburg - Eislaufen oder nicht Eislaufen – das ist auf den Bornhorster Wiesen in Oldenburg die Frage. Die professionellen Vogelschützer bei der Stadt sagen „nein“, drohen mit Strafe, wollen die Polizei in Gang setzen und verweisen auf europäische Schutzbestimmungen und „nächtliche Schlafplätze“. Der Nabu erinnert an Amphibien, die durch Knirschgeräusche gestört werden könnten. Zumindest ein Teil der Oldenburger aber schüttelt mit dem Kopf.

Ruth Schrader steht am Freitagnachmittag am Rand der riesigen Eisfläche und sagt: „In Oldenburg kann man sonst nicht Eislaufen, dabei ist das doch ein Stück Kultur und Heimatgefühl, auch für die Kinder, das damit verbunden ist.“ Die 22-jährige Anna ist mit ihrer fünfjährigen Tochter in den Stadtnorden gefahren. Sie sagt: „Samantha ist jetzt das zweite Mal auf dem Eis, das erste Mal war in der Eislaufhalle in Bremen, aber hier ist es ganz anders, die Atmosphäre ist viel schöner.“

Janek und Nele (beide 32) sind zu Fuß auf dem Eis unterwegs. „Schlittschuhe haben wir leider nicht, aber wir wollten mal gucken, ob was los ist, so eine große Eisfläche ist ja etwas Seltenes“, sagt Nele. „Wir dachten, wir sehen hier ein paar Pirouetten oder ein bisschen Eishockey.“ Naturschutz ist den beiden auch wichtig, trotzdem findet Janek: „Für die paar Tage müsste das in Ordnung sein, wenn Menschen sich an dieser besonderen Situation erfreuen.“

Doch die Androhung der Naturschützer bei der Stadt hat offenbar Wirkung gezeigt. „Ich war vor zwei Jahren hier, da waren es über 200 Menschen“, sagt Volker Kühn mit Blick auf die fast leere Fläche. Eine Mutter von zwei kleinen Jungen, die mit ihren Schlitten am Rand übers Eis rutschen, sagt: „Welchem Frosch tun wir damit weh?“

Während die Stadtverwaltung nur trocken auf das Verbot hinweist, werden andere Gemeinden aktiv. In Nordenham wird schon mal die Grünfläche am Rathaus geflutet, in Lemwerder wurde in diesem Jahr ebenfalls, mit Hilfe der Feuerwehr, der Vorplatz des Rathauses als Eisfläche präpariert. Ab diesem Sonnabend soll dort gelaufen werden können. In Bremen wird, mit Hilfe des Eisvereins, ein 30 Hektar großes Eisfeld an der Semkenfahrt im Blockland zur Verfügung gestellt. Die Flutung für den Winter beginnt schon im November.

NWZ-Leser Uwe Liehr fragt sich, ob die Stadt damit überhaupt richtig liegt, dass das gesamte Eisgebiet in Bornhorst geschützt ist. Der westliche Teil unterhalb des Neuen Wulfsdeichs gehört nämlich gar nicht zum Naturschutzgebiet „Bornhorster Wiesen“. Das sei aber unerheblich kontert die Stadt, denn dieser Bereich, der zwar bereits zum Landkreis Wesermarsch gehöre, sei als Teil des Europäischen Vogelschutzgebiets V11 genauso geschützt.

Ein Leser aus Ofen schreibt: „Die Stadt würgt eine alte, norddeutsche Sportart, das Eislaufen im Winter, ab. In den Niederlanden, wo in Westfriesland seit 100 Jahren das 200-Kilometer-Eislanglauf-Amateur-Rennen „Elfstedentocht“ mit heute 17 000 Teilnehmern stattfindet, „lacht man sich kaputt über die Oldenburger“.

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