Durch Lesen startet neues Leben
Analphabetismus Lionsclub unterstützt das ABC-Projekt der Volkshochschule
von Lars Blancke
Oldenburg - Jahrelang baut sich Ernst Lorenzen ein Lügengerüst auf. Schon in der Schulzeit hat er Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung, danach verlernt der 56-jährige, gelernte Tischler nach und nach das Lesen und Schreiben. Seinen Beruf übt er dennoch 39 Jahre lang aus – dank Ausreden und fremder Hilfen. „Die Angst, aufzufliegen, war stets da“, erinnert sich Lorenzen. Erst nachdem er erwerbsunfähig wird, öffnet er sich seiner Frau – eine typische Lebensgeschichte eines von rund sieben Millionen Analphabeten in Deutschland.
Seit zwei Jahren besucht Lorenzen nun die ABC-Intensivlerngruppe der VHS. Seitdem führt er ein neues Leben. Mit 55 habe er seiner Tochter in Berlin seinen ersten Brief geschrieben: „Ein wahnsinniges Glücksgefühl. Ich habe jetzt viel mehr Selbstvertrauen, alles geht leichter.“
Intensivlern- oder Standardgruppe: an der VHS kann das Lesen und Schreiben gelernt werden. Etwa 100 Personen mit deutscher Muttersprache nehmen teil. Sie sind im Alter von 19 bis 60 Jahren. Das Jobcenter finanziert die Kurse teilweise, den Rest holt Projektleiter Achim Scholz durch Spenden rein.
Damit es weiter nicht an finanzieller Unterstützung mangelt, übergaben Christiane Reuter-Wetzel (Lionsclub Willa Thorade) und Jörg Nölker (LC Oldenburg-Lappan) nun jeweils einen Scheck von 4000 Euro an die VHS. „Wir wollen die Nachhaltigkeit des Projektes sichern. Ernst Lorenzen ist der Beweis, dass das Geld in guten Händen ist“, sagten die beiden Vereinspräsidenten. Das Geld fließe unmittelbar in das Projekt, betonte Scholz.
Lorenzen gründete – motiviert durch das Projekt – vor einem Jahr eine Selbsthilfegruppe. Sie trifft sich einmal im Monat in der VHS. Lorenzen: „Zu Beginn waren wir drei, jetzt zehn. Es ist wichtig, seine Erfahrungen zu teilen.“
@ Mehr Infos unter http://www.abc-projekt.de
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