WILHELMSHAVEN, 22. März 2010


Eltern müssen Interesse an Computer-Spielen zeigen

MEDIENTAG Experten fordern in Wilhelmshaven mehr Verantwortungsbewusstsein Erwachsener ein


SI

Wilhelmshaven - Viel Vorbereitungsarbeit – keine Resonanz: das ist das Resultat des Medientags, den das Jugendamt zusammen mit dem Freizeitzentrum Nord im Pumpwerk veranstaltet hat. Leider blieb das Publikum aus.

Dabei ist das Thema brandaktuell, und es besteht Handlungsbedarf. Alle Eltern sind gefordert, erklärte Jörg Ratzmann, Leiter des Fachdienstes schulische Sozialarbeit und ausgebildeter Eltern-Medientrainer. Er hatte die Veranstaltung zusammen mit Joachim Krieg vom Jugendsozialdienst und Jan Gerjets vom Freizeitzentrum Nord vorbereitet. Über das geringe Interesse zeigte sich Ratzmann erstaunt. In Hannover, seiner vorigen Wirkungsstätte, seien solche Informationsveranstaltungen immer sehr gut besucht gewesen.

In 90 Prozent aller Haushalte mit Kindern gibt es einen Computer, eine Konsole oder ein Handy, mit dem Spiele gespielt werden können – und in aller Regel von den Kindern gespielt werden. Doch was die Kinder spielen, wissen die Eltern meistens nicht. Viel zu oft sind es Spiele, die ihrem Alter absolut nicht gemäß sind. Viele Eltern achteten nicht einmal auf die Altersfreigabe. Viel zu selten ziehen sie ungeeignete Spiele aus dem Verkehr. Anstatt ihrer Verantwortung gerecht zu werden, meiden sie einen eventuellen Konflikt mit ihrem Kind.

Zu oft diene das Computerspiel dazu, das Kind zu beschäftigen, damit die Eltern ihre Ruhe haben. Zu oft ist es der Notnagel für Alleinerziehende, die sich – womöglich in teilweiser Überforderung – so Freiräume für Anderes schaffen. Untersuchungen hätten ergeben, so Ratzmann, dass besonders viele Alleinerziehende für ihre Kinder Computerspiele kauften.

Zwischen zwei und vier Stunden verbrächten die Kinder täglich vor dem Computer und spielten. Bei einer Befragung in der Nogatschule habe er dieses Ergebnis bestätigt gefunden, sagte Ratzmann. Er biete Elternseminare an den Schulen an und stehe auch für individuelle Fragen von Eltern zur Verfügung.

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Eines aber müssten Erwachsene akzeptieren, die noch in der Vor-Computerzeit aufgewachsen seien: Für Kinder ist der Computer selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Sie haben keine Vorbehalte und sollten sie auch nicht haben, denn der Computer und das Internet würden Arbeit und Leben der Menschen immer stärker bestimmen.

Ein Beispiel erläuterte Sven Schneider, Gründer der Second-Life-Volkshochschule. Das Virtuelle Welt-Portal werde zunehmend von Firmen als reale Plattform der Kommunikation und des Dienstleistungsaustausches genutzt. Eines aber werde virtuell nie funktionieren: Genug Sport zu treiben. Viele Computer-Kids setzten leider zu viel Fett an, mahnte Ratzmann.


 



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