Geburtsort: Wilhelmshaven
Circus Krone Tyrone Jahn-Munoz (12) ist ein echtes Zirkus-Kind
von Walburg Dittrich
Wilhelmshaven - Am Tag der Premierenvorstellung stand Tanja Jahn-Munoz noch wie gewohnt am Souvenirstand des „Circus Krone“. Einen Tag später brachte sie im St. Willehad-Hospital Wilhelmshaven ihren zweiten Sohn zur Welt. Das war am 26. September 1997.
Geburtsort Wilhelmshaven steht darum im Pass des heute zwölfjährigen Tyrone. Gelebt hat er in Wilhelmshaven aber gerade einmal vier Tage. Dann zog der Zirkus weiter und mit ihm auch der kleine Tyrone, sein älterer Bruder Sven (geboren übrigens in Köln), seine Mutter und sein Vater Celestino Munoz.
Aufgewachsen ist Tyrone also im „Circus Krone“. Er ist ein echtes Zirkuskind, wie auch schon seine Eltern, seine Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits, seine Urgroßeltern, Ururgroßeltern und Urururgroßeltern väterlicherseits. Mutter Tanja Jahn-Munoz, eine Nachfahrin des Turnvaters Jahn, war in jungen Jahren Trapezkünstlerin, bevor sie „bodenständig“ wurde und eine Familie gründete. Ihr Vater war Elefantentrainer, ihre Mutter ebenfalls Trapezkünstlerin.
Einzig Tyrones Vater Celestino Munoz hatte immer das Ziel, die Artisten ins rechte Licht zu setzen, studierte Lichtdesign und Elektrotechnik und arbeitet seit acht Jahren als Lichtdesigner bei „Circus Krone“. Sein Vater war Clown Angelo Munoz, seine Mutter eine Kautschuk-Artistin.
Und Tyrone? Der Zwölfjährige weiß noch nicht, ob er einmal in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten wird. „Ich würde gerne Architekt werden“, sagt er. Was ihn aber nicht daran hindert, mit seinem großen Bruder für eine Handstandnummer zu trainieren.
Bis vor zwei Jahren besuchte Tyrone die zirkuseigene Schule. Jetzt geht er auf die Realschule und wohnt darum nicht mehr im Zirkus, sondern bei seinen Großeltern in Schleswig-Holstein.
„Schule ist wichtig“, meint seine Mutter. „Früher gingen die Artisten immer davon aus, dass ihre Kinder auch Artisten werden. Darum war Schule unwichtig. Heute ist das zum Glück anders. Und auch als Artist sollte man lesen und schreiben können.“
Tyrone geht gerne in die Schule, sogar jetzt, in den Ferien besucht er seine „alte Schule“. Denn in den Ferien kehrt Tyrone zum „Circus Krone“ zurück. Und er wohnt wieder in seinem Kinderzimmer. „Ich habe ein Hochbett, eine Couch, einen Fernseher und einen Schreibtisch im Zimmer“, erzählt er stolz und öffnet die Tür des vom Vater umgebauten Lastwagens, in dem er und sein Bruder ihre Zimmer haben. Genaugenommen ist es ein Zimmer und viel Platz haben die beiden wahrlich nicht, aber es ist ihr eigenes Reich. Die Eltern wohnen im Campingwagen nebenan.
Die Tiere sind Tyrones Lieblinge, darum reisen auch seine zwei Schildkröten mit. „Feed the turtels“, mahnt seine Mutter. Sie spricht englisch mit Tyrone. Sein portugiesischer Vater Tino spricht gar sechs Sprachen. Und da im „Circus Krone“ ein fast babylonisches Sprachgewirr zu vernehmen ist, hat Tyrone auch schon ein paar Brocken Chinesisch gelernt.
Auch in der Schule sitzen russische, bulgarische, mongolische und ungarische Kinder beieinander und lernen – auf Deutsch. An Spielkameraden mangelte es Tyrone nie, auch wenn die Artisten und somit die Kinder immer wieder wechselten. Ein Zirkus ist für Kinder wie ein einziger Abenteuerspielplatz – aber mit festen Regeln.
Denn die Tiere, vor allem die Raubtiere und Elefanten, aber auch die Pferde, sind für die Kinder tabu, das lernen sie von klein auf. Darum war es für Tyrone ein ganz besonderes Erlebnis, als er einmal seinen Liebling, den Nashornbullen Tsavo anfassen durfte und mit dem Dickhäuter fotografiert wurde.
Im Winter lebt die Familie in München, wo der „Circus Krone“ auch ein festes Haus und Wohnungen für die Mitarbeiter hat. Dann geht Tyrone dort in die Schule. „Meine Klassenkameraden fragen mich dann immer aus, was ich alles so erlebt und gesehen habe“, sagt Tyrone lächelnd.
Und er hat viel zu erzählen, denn in den Städten, in denen der Zirkus gastiert, sehen er und seine Familie sich immer möglichst viel an. Aber auch von der Schule aus werden Ausflüge unternommen. „Manchmal ist es mir jetzt bei Oma und Opa in Schleswig-Holstein schon ein wenig langweilig“, sagt Tyrone. „Aber ich habe da ja meine Cousins und auch meine Klassenkameraden.“
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