WILHELMSHAVEN, 1. September 2010


„Nicht zu Lasten der Soldaten“

Reform Bundeswehrverband: Uwe Sonntag zur Verkleinerung der Bundeswehr


Bild

„Probeliegen“ für die Zukunft? Nein – die Fregatten werden gewiss nicht in Kiel stationiert, sondern behalten ihren Heimathafen Wilhelmshaven. Kleines Foto: Uwe Sonntag BILD:er marine  Bild vergrößern

Die Soldatenvertreter bekommen die Verunsicherung der Betroffenen täglich zu spüren. Uwe Sonntag wünscht sich vor einer Streitkräftereform eine sicherheitspolitische Analyse.

von Michael Halama

Wilhelmshaven - Bei den Soldaten und ihren Angehörigen herrsche große Verunsicherung, sagt Uwe Sonntag. Der Kapitänleutnant ist Vorsitzender Marine im Vorstand des Deutschen Bundeswehrverbandes (DBwV), der Interessenvertretung für Soldaten. Gerade hat er den Marineinspekteur Axel Schimpf auf seiner Informationreise an die Standorte Wilhelmshaven, Kiel und Rostock begleitet. Und die Sorgen der Soldaten hautnah erlebt. „Bei vielen älteren Dienstgraden mit Familien stellt man sich die Frage, wie es weitergeht. Wird meine Einheit außer Dienst gestellt, gar mein Standort dicht gemacht? Müssen wir dann möglicherweise bald schon wieder umziehen?“ Von den fehlenden Perspektiven in einer deutlich kleineren Marine ganz zu Schweigen.

Tatsache ist: Die Bundeswehr soll kleiner werden; die chronisch knappe Kassenlage des Bundes und die veränderte Sicherheitslage geben den Kurs der künftigen Streitkräfte vor. Favorisiert wird derzeit offenbar eine Armee mit rund 164 000 Zeit- und Berufssoldaten (40 000 weniger als bisher) sowie 7500 freiwillig Wehrdienstleistenden; dabei soll die Wehrpflicht ausgesetzt werden. Entschieden ist noch nichts – Aussagen zu Standorten sollen gar erst Mitte 2011 folgen.

Würden bei einem Wirtschaftskonzern mal eben 40 000 Stellen gestrichen, gebe es einen Aufschrei in Deutschland, so Sonntag. Er hat wenig Verständnis für die Pläne zum Personalabbau: „Es kann nicht sein, dass die Reduzierung einseitig zu Lasten der Soldaten erfolgt. Wenn der Bund Geld sparen muss, sollte das ein Allemannsmanöver sein. Doch wer hat von Personalabbau in anderen Ressorts gehört?“ Sonntag zweifelt daran, dass der Bund auf diesem Wege bis 2014 wie gewünscht sparen könne. Denn seit Jahren leiden die Streitkräfte an Unterfinanzierung. Positiv hingegen beurteilt er den Ministervorschlag, künftig mit einer Probezeit den Soldatenberuf kennen zu lernen. Die ebenfalls erforderliche Attraktivitätssteigerung koste aber mehr Geld, ist sich Uwe Sonntag sicher. Im Kampf um qualifiziertes Personal müsse die Bundeswehr künftig richtig „klotzen“.

Zudem klagt der Bundeswehrverband über eine fehlende sicherheitspolitische Standortbestimmung. Erst dann könne man wirklich über eine Strukturreform der Bundeswehr reden. Dass die Marine dabei eine eher größere Rolle spiele müsste, ist nicht nur Sonntags Meinung. Die Bedeutung der maritimen Sicherheit auch in unseren Hoheitsgewässern werde zunehmen – Offshore-Windparks, Pipelines und ähnliches müssten bei Bedarf gesichert werden. Das die Marine aber auch fern der Heimat zum Schutz wirtschaftlicher Interessen eingesetzt wird, sollte für eine Exportnation selbstverständlich sein.

ANZEIGE




 



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Frost verhindert Betonarbeiten

09.02.2012 - Der Dauerfrost beeinträchtigt auch die Arbeiten an der Kaiser-Wilhelm-Brücke.
Dennoch ist der Zeitplan der Sanierung von Wilhelmshavens Wahrzeichen nicht gefährdet, wie Projektleiter Ralf Salinski vom ­städtischen Eigenbetrieb Grundstücke und Gebäude der Stadt (GGS) auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte.mehr

Krebsvorsorge: Männer drücken sich vor Untersuchung

09.02.2012 - Die Nachricht war ein Schock für Horst Zohren. Während einer Vorsorgeuntersuchung wurde eine Veränderung der Prostata (Vorsteherdrüse) festgestellt. Weitere Tests brachten Gewissheit. Die Diagnose seines Urologen: aggressiver Prostatakrebs.mehr

„Kruzenshtern“ macht am Bontekai fest

09.02.2012 - Nach fast zehn Jahren Abwesenheit wird im Frühjahr eine alte Bekannte in Wilhelmshaven erwartet: Vom 28. April bis 2. Mai macht die russische Viermastbark „Kruzenshtern“ am Bontekai fest und bietet interessierten Gästen die Gelegenheit, während eines Tagestörns das Flair dieses großen Windjammers zu erleben.mehr

Sorgt „Wärme-Akku“ für eisfreien Banter See?

09.02.2012 - Verkehrte Welt? Oder ein Wunder? Tat­sache ist: Der Banter See ist bis jetzt noch nicht zugefroren. Das hat nicht nur ganz normale Wilhelmshaven Bürger überrascht.
Auch jene Experten, die sich seit Jahren mit der Wasserqualität des Banter Sees auseinandersetzen, staunen.mehr

Einschulung in Wilhelmshaven am 8. September

09.02.2012 - Wilhelmshavens Erstklässler werden  nun doch an einem Sonnabend eingeschult. Die Leiter der 13 Grundschulen im Stadtgebiet haben sich in einer Besprechung am Mittwoch einstimmig für den 8. September als Einschulungstermin entschieden.mehr

TIPP DER WOCHE
Anzeige
Umfrage

Die Bundesregierung will das Punktesystems für Verkehrsverstöße neu fassen. Sollen die Vorschriften verschärft werden?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
0 °C
-9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat