Hoffen auf letzte Chance für die marode Südzentrale
Symposium Große Unterstützung von engagierten und denkmalbewussten Bürgern Wilhelmshavens
Wilhelmshaven - 85 Jahre stand sie „unter Dampf“, zum 100-Jährigen hatte der Zahn der Zeit schon deutlich an ihr genagt, drei Jahre danach droht dem Pflegefall das Aus: Im Sommer sollen Bagger die Südzentrale plattmachen, während ihre ein Jahr ältere Nachbarin, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, mit Millionen-Aufwand saniert wird.
Dem ehemaligen Kohlekraftwerk der Marinewerft hat der bestehende Denkmalschutz bislang nur Aufschub gewähren können. Der Eigentümer hat inzwischen eine Abrisserlaubnis.
Handeln will auch die seit zehn Jahren bestehende Initiative zum Erhalt der Südzentrale. Auf einem Symposium zusammen mit der Oldenburgischen Landschaft beschloss man am Wochenende im Marinemuseum die Gründung eines Vereins, der Ideen und Planungen entwickeln sowie Mittel einwerben soll.
Dass ein starkes bürgerschaftliches Engagement dahintersteht, wurde auf der Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern sichtbar. Engagierte Wilhelmshavener ergriffen das Wort für die Südzentrale. Die fachliche Qualität des Symposiums ließ sich an der Mitwirkung ausgewiesener Experten ablesen, unter anderem aus der staatlichen Denkmalpflege, vom Museumsdorf Cloppenburg und aus der Hochschule für angewandete Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Ihre Wertschätzung der Südzentrale übermittelten auch der Vorsitzende der Stiftung für wilhelminische Studien, Jörg Michael Henneberg, und der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow.
Corinna Nickel, die seit zehn Jahren in der Initiative kämpft, freute sich über so viel fachliche Begleitung. Letztlich sei die Veranstaltung aber eine politische, betonte Moderator Prof. Martin Thumm.
In einer Resolution wurden deshalb die politisch Verantwortlichen aufgefordert, umgehend das Gespräch mit dem Eigentümer aufzunehmen. Das Ziel: Den Abriss der Südzentrale als „unwiederbringliches Kulturdenkmal der Gründungsgeschichte der Stadt Wilhelmshaven und Industriedenkmal von internationalem Rang“ verhindern.
Forumsmitglied Ernst-André Winter vom Staatl. Baumanagement Wilhelmshaven sieht im Denkmalschutz „keine beliebige Frage des Geschmacks, sondern Verantwortung für die Erhaltung des baulichen Erbes im öffentlichen Interesse“. „Erinnerung ist verbunden mit dem überlieferten Zeugnis“, sagte er.
Kurzfristig geht es der Initiative darum, einen Aufschub zu bekommen. „Oder hofft die Stadt auf die Macht des Faktischen“, so Martin Thumm, „wenn der Eigentümer tatsächlich abreißt, nach dem Motto ,Augen zu und durch!’“
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