Nur die Technik macht ab und an Probleme
Winter Jadestädter gehen überwiegend gelassen mit der Kälte um
Reizvoll, aber gefährlich: Zwischen den Eisschollen, die sich auf der Jade beim Südstrand türmen, kletterten gestern diese beiden jungen Leute. BILD: Lübbe 
Wilhelmshaven - Selbst diverse Wetterexperten hatten nicht mehr daran geglaubt: es ist doch noch ein richtiger Winter geworden. Die klirrende Kälte der vergangenen Tage mitsamt strahlendem Sonnenschein zaubert bizarre Eislandschaften auf die Jade, Kinder fahren Schlitten am Deich und Autofahrer greifen zu Besen und Eiskratzer.
Kein größeres Kopfzerbrechen bereiten den Landwirten der Region die Tiefkühltemperaturen – allenfalls etwas mehr Arbeit. Im Stall ist es empfindlich kalt geworden. „Den Kühen bereitet die Kälte momentan aber noch keine Probleme“, sagt Bernd Harms, Vorsitzender des Landvolkvereins Wilhelmshaven.
Das kann auch der Geschäftsführer des Kreislandvolks Friesland, Manfred Ostendorf, bestätigen: „Erst wenn die Temperaturen dauerhaft unter Minus zehn Grad bleiben, bekommen die Landwirte Probleme. Dann sind die großen Ställe kaum noch warm zu halten.“ Lediglich die Milchproduktion sinke momentan etwas, da die Kühe mehr Energie für den eigenen Wärmehaushalt benötigen. Nicht zuletzt sei die trockene kalte Luft für die Kühe gesünder als die nasskalte Witterung.
Empfindlicher reagiert hingegen die Technik. So muss der Melkstand nach jedem Melkvorgang komplett trockengelegt werden, damit die Leitungen nicht einfrieren. „Das bedeutet einen zusätzlichen Zeitaufwand von rund einer Stunde täglich“, so Harms.
Dem Boden tut der strenge Frost nach den ergiebigen Regenmengen der vergangenen Wochen hingegen gut. „Die Frostgare verbessert die Fruchtbarkeit des Bodens. Er wird geweitet und kann ein neues Kapillarsystem ausbilden“, erklärt Ostendorf.
Autofahrer könnten dieser Tage jedoch Probleme bekommen, etwa wenn das Fahrzeug aufgrund einer altersschwachen Batterie nicht mehr anspringen will. Auch das Frostschutzmittel im Kühler und der Scheibenwischanlage leistet jetzt gute Dienste. Das weiß Eike Strohmann, Obermeister der Innung des Kfz-Handwerks Wilhelmshaven-Friesland: „Batterien sind teilweise nur noch mit Wartezeiten zu bekommen. Die Industrie kommt mit der Lieferung kaum nach.“
Die Autofahrer selbst scheinen gut auf die Verhältnisse eingestellt zu sein. „Bis auf wenige Ausnahmen fahren sie der Witterung entsprechend angepasst“, so Klaus-Rüdiger Harms, Pressesprecher der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland.
Rechtzeitig hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven die Tonnen gegen eisgängige Modelle ausgetauscht. Zwei Tonnen waren dennoch am Wochenende vertrieben und wurden ganz eingenommen. Kleineren Schiffen musste das Mehrzweckschiff „Mellum“ bereits durch das dichter werdende Eis auf der Jade helfen.
„Es besteht Lebensgefahr!“: Mit diesen Worten warnt die Stadt Wilhelmshaven eindringlich vor dem Betreten von Eisflächen. Die erforderliche Eisdicke von 15 Zentimetern sei auf den städtischen Teichanlagen noch nicht erreicht.
Das Betreten sei deshalb weiterhin verboten. Die Stadt hat entsprechende Hinweisschilder aufgestellt. „Die Entwicklung und die Tragfähigkeit der Eisdecke wird von vielen Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel Dauer und Stärke des Frostes, Wind und Schnee sowie die Besonderheiten des Gewässers: Größe, Tiefe, Salzgehalt, Sonneneinstrahlung, Strömungen, Zufluss von wärmerem Grundwasser oder Absinken des Wasserstandes unter der Eisdecke“, teilt die Stadtverwaltung mit.
Auch nach längeren Frostperioden könne die Eisdecke zu dünn und brüchig sein
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