OLDENBURGER LAND, 20. Mai 2010


Neue Pläne für A  22 empören Politiker

KÜSTENAUTOBAHN Bundesministerium prüft plötzlich südliche Trasse bei Rastede wieder – Resolution


Bürgermeister der Region sind alarmiert und befürchten dramatische Konsequenzen: „Dann gehen wir in Varel auf die Straße“, sagt Bürgermeister Gerd-Christian Wagner.

von FRANK JUNGBLUTHuND GEERD LUKASSEN

OLDENBURGER LAND - Ein Jahr lang glaubten Politik, Wirtschaft und Bürger im Oldenburger Land, dass die Trasse für die neue Küstenautobahn 22, die zwischen dem Hamburger Elbtunnel und der A  28 bei Westerstede gebaut werden soll, im Norden von Jaderberg nach Süden abbiegt – jetzt ist alles anders. Denn im Bundesverkehrsministerium wird plötzlich wieder eine Streckenführung betrachtet, an die niemand mehr ernsthaft geglaubt hat – Variante West 3. Bisher war Variante West 2 so gut wie sicher.

Würde nach Variante 3 gebaut, dann rauscht der Verkehr knapp acht Kilometer weiter südlich an Hahn vorbei. „Das wäre für Varel dramatisch, weil dann der für Varel belastende Lkw-Verkehr auf der Bundesstraße 437 nicht auf die neue Autobahn ausweichen würde“, befürchtet Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner (SPD). Und auch Rastedes Bürgermeister Dieter Decker (CDU) ist entsetzt: „Durch die Süd-Trasse gibt es negative Auswirkungen auf den Ortsteil Hahn, die in ihrem Umfang noch nicht abzusehen sind.“ Dann würden wichtige Landschaftsteile zerschnitten. Decker: „Autobahnen sollen die Wirtschaft weiterentwickeln – dies ist bei der jetzt wieder diskutierten Variante West 3 nicht der Fall“.

Eine große Koalition aus Sozial- und Christdemokraten hat den Protest am Dienstag nach Berlin getragen. Auf Vermittlung des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Kossendey haben im Deutschen Bundestag die Bürgermeister Wagner, Decker und Helmut Völkers (Wiefelstede) Enak Ferlemann eine Resolution übergeben. Ferlemann ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und er soll Minister Peter Ramsauer (CSU) im Auftrag der Politiker aus dem Oldenburger Land überzeugen, die umstrittene Süd-Trasse von der Liste der Möglichkeiten für die A  22 zu streichen.

„Wenn diese Trasse kommt, dann würde die Betroffenheit der Ammerländer Bürger deutlich erhöht, das Schutzgut Mensch würde weitaus geringer als der Vogelschutz gewichtet“, schreibt auch Ammerlands Landrat Jörg Bensberg an den Minister. Diesen Vorschlag könne man deshalb nur ablehnen.

Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner wird noch deutlicher. Im Gespräch mit der NWZ  sagt er: „Die A  22 macht keinen Sinn mehr, wenn sie so weit nach Süden wandert. Uns reicht es in Varel. Wenn der Schwerlastverkehr aus Varel nicht rauskommt, dann wird der Tag kommen, an dem die Bürger unserer Stadt auf der Bundesstraße 437 stehen und hier kein Laster mehr durchfährt.“

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