OLDENBURG, 7. September 2010


Oldenburg: Geständnis im Mordprozess

Gericht 20-Jähriger entlastet Mitangeklagte – Taxifahrer berichtet von Tatnacht und den Folgen


von Franz-Josef Höffmann

Oldenburg - „Ich habe mir nichts Böses gedacht.“ Im Prozess vor der Oldenburger Jugendkammer hat der 35-jährige Taxifahrer am Montag seinen Leidensweg geschildert. Am 23. März dieses Jahres war er mit einem Gürtel bis zur Bewusstlosigkeit stranguliert und anschließend ausgeraubt worden. Verantworten müssen sich deswegen ein 20-Jähriger aus Varel und seine 14-jährige Bekannte.

Völlig arglos war der Fahrer damals mit den beiden Angeklagten von Varel nach Oldenburg gefahren. Dort sei ihm dann urplötzlich von hinten der Gürtel um den Hals gelegt worden. Er habe noch versucht, die Finger zwischen Gürtel und Hals zu schieben, das sei ihm aber nicht mehr gelungen. Nachdem der 35-Jährige bewusstlos geworden war, hatten die Angeklagten ihn aus dem Auto gezogen, ausgeraubt und dann die Flucht ergriffen, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern, so die Anklage.

Gegenüber der NWZ  erklärte der 35-Jährige am Montag, dass er wegen des Angriffs beinahe seine Wohnung verloren hätte. Er lebt allein mit seinen beiden kleinen Kindern. Für die Wohnung erhält er vom Jobcenter einen kleinen Zuschuss. Nur wenige Tage nach der Tat sei er aufgefordert worden, sich eine kleinere Wohnung zu suchen, weil er aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit seinen Mietanteil nicht mehr habe erbringen können. „Deswegen bin ich 14 Tage nach der Tat wieder ins Taxi gestiegen, um Geld zu verdienen und die Wohnung erhalten zu können“, sagte der 35-Jährige.

Bevor der Taxifahrer am Montag angehört wurde, hatte der 20-jährige Angeklagte ein Geständnis abgelegt und darin die Tat heruntergespielt. Das Strangulieren des Fahrers sei ein spontaner Entschluss gewesen. Er habe auch genau einschätzen können, wie lange man strangulieren dürfe. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte er mehrmals erklärt, sich um den bewusstlosen und schwerverletzten Fahrer gekümmert und ihn in eine stabile Seitenlage gebracht zu haben. Das aber musste er am Montag zurücknehmen, weil Zeugen des Geschehens diese Rettungsaktion nicht gesehen hatten.

Die 14-jährige Mitangeklagte hielt der 20-Jährige heraus. Sie sei mit dem Überfall auf den Taxifahrer nicht einverstanden gewesen, sagte er.

ANZEIGE

Die Anhörung der 14-Jährigen zu den Vorwürfen fand dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.




 

Leserkommentare (1)
olandreas
- 07.09.2010 10:56 Uhr
Auch wenn es direkt nicht mit dem Fall zu tun hat, danke ich der NWZ für den kleinen Einblick in die Gedankenwelt des Jobcenters: Wer dem Arbeitsmarkt nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht, aus welchem Grund auch immer, hat sofort mit Sanktionen zu rechnen.



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Sprit-Preise: Autofahrer schimpfen über „üble Abzocke“

23.02.2012 - „Das ist eine üble Abzocke.“ Horst Meyer steht am Mittwochvormittag an der Avia-Tankstelle in Bookholzberg und schimpft. Gerade hat er Diesel getankt – für 1,53 Euro pro Liter.
Der gebürtige Huder lebt seit 30 Jahren in der Schweiz und ist aus familiären Gründen wieder in der Region.mehr

Gemischtwaren und ein Stück Geschichte im historischen Kaufhaus Abbehausen

23.02.2012 - Das Sterben kleiner Dorfläden erscheint wie eine logische Konsequenz aus dem Aufleben großer Discounter. Die Großen kommen, und die Tage der Kleinen sind gezählt. Doch ein Kaufhaus in einem kleinen Dorf in der nördlichen Wesermarsch trotzt dieser Logik.mehr

Neuer Blick auf Bremer Bahnhof

23.02.2012 - Der Bremer Bahnhofsvorplatz bekommt ein neues Gesicht. Auf einer fast 5600 Quadratmeter großen Fläche sollen bis 2014 zwei sieben Stockwerke hohe Gebäude entstehen, teilte Bausenator Joachim Lohse (Grüne) am Mittwoch mit.mehr

Gemeinsam gegen Sonntagsarbeit

23.02.2012 - Die Proteste gegen die von dem Fleischkonzern Danish Crown an seinem Standort in Essen (Landkreis Cloppenburg) geplante Sonntagsarbeit verschärfen sich. Nachdem die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und Gewerkschaften für Sonntag, 26.mehr

Tillichs drei Rezepte für Bevölkerungszuwachs

23.02.2012 - Zukunftssichere Arbeitsplätze, umfassende Kinderbetreuung, bestmögliche Ausbildung: Das sind für den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) die drei Rezepte, um den demografischen Wandel in Deutschland abzumildern.mehr

Anzeige
Umfrage

Ist Joachim Gauck der richtige Nachfolger im Amt des Bundespräsidenten?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
11 °C
9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat