Oldenburg: Geständnis im Mordprozess
Gericht 20-Jähriger entlastet Mitangeklagte – Taxifahrer berichtet von Tatnacht und den Folgen
Oldenburg - „Ich habe mir nichts Böses gedacht.“ Im Prozess vor der Oldenburger Jugendkammer hat der 35-jährige Taxifahrer am Montag seinen Leidensweg geschildert. Am 23. März dieses Jahres war er mit einem Gürtel bis zur Bewusstlosigkeit stranguliert und anschließend ausgeraubt worden. Verantworten müssen sich deswegen ein 20-Jähriger aus Varel und seine 14-jährige Bekannte.
Völlig arglos war der Fahrer damals mit den beiden Angeklagten von Varel nach Oldenburg gefahren. Dort sei ihm dann urplötzlich von hinten der Gürtel um den Hals gelegt worden. Er habe noch versucht, die Finger zwischen Gürtel und Hals zu schieben, das sei ihm aber nicht mehr gelungen. Nachdem der 35-Jährige bewusstlos geworden war, hatten die Angeklagten ihn aus dem Auto gezogen, ausgeraubt und dann die Flucht ergriffen, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern, so die Anklage.
Gegenüber der NWZ erklärte der 35-Jährige am Montag, dass er wegen des Angriffs beinahe seine Wohnung verloren hätte. Er lebt allein mit seinen beiden kleinen Kindern. Für die Wohnung erhält er vom Jobcenter einen kleinen Zuschuss. Nur wenige Tage nach der Tat sei er aufgefordert worden, sich eine kleinere Wohnung zu suchen, weil er aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit seinen Mietanteil nicht mehr habe erbringen können. „Deswegen bin ich 14 Tage nach der Tat wieder ins Taxi gestiegen, um Geld zu verdienen und die Wohnung erhalten zu können“, sagte der 35-Jährige.
Bevor der Taxifahrer am Montag angehört wurde, hatte der 20-jährige Angeklagte ein Geständnis abgelegt und darin die Tat heruntergespielt. Das Strangulieren des Fahrers sei ein spontaner Entschluss gewesen. Er habe auch genau einschätzen können, wie lange man strangulieren dürfe. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte er mehrmals erklärt, sich um den bewusstlosen und schwerverletzten Fahrer gekümmert und ihn in eine stabile Seitenlage gebracht zu haben. Das aber musste er am Montag zurücknehmen, weil Zeugen des Geschehens diese Rettungsaktion nicht gesehen hatten.
Die 14-jährige Mitangeklagte hielt der 20-Jährige heraus. Sie sei mit dem Überfall auf den Taxifahrer nicht einverstanden gewesen, sagte er.
Die Anhörung der 14-Jährigen zu den Vorwürfen fand dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
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