Flüchtlinge hoffen auf eine Wohnung in Oldenburg
Asylbewerber Familie aus Syrien lobt Betreuung – Zehnjähriger leidet an Epilepsie
Haben sich eingelebt: Ali Bero mit seinen Kindern in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Fliegerhorst. BILD: Marius Meyer 
von Rainer Dehmer Und Marius Meyer
Oldenburg - Ali Bero sitzt auf dem alten Sofa im Zimmer und nippt nachdenklich an seinem Kaffee. Drei seiner Kinder hocken auf dem Boden und blicken gespannt auf den Fernseher. Es läuft der Kinderkanal des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira. Eine Satellitenschüssel auf dem Dach sorgt für den Empfang. „Wir sind alle zufrieden. Die Betreuung hier ist sehr gut“, lobt der 45-jährige Familienvater.
Vor fünf Wochen zog der Syrer mit seiner Frau, seinen vier eigenen Kindern und den vier Kindern eines in Syrien zurückgebliebenen Verwandten in die städtische Asylbewerberunterkunft auf dem Fliegerhorst. Die Familie floh vor der staatlichen Gewalt in Syrien. Als Angehörige der kurdischen und yezidischen Minderheit wurde sie in ihrer Heimat verfolgt.
In der Unterkunft in Nachbarschaft der Flughafensiedlung Brokhausen leben derzeit 36 Flüchtlinge. In der Hauptsache sind es Männer aus dem Iran, Irak, aus Afghanistan und Syrien. Diese Woche will das Land Niedersachsen 20 weitere Asylbewerber schicken. Insgesamt 160 Menschen sollen schon bald in den Gebäuden wohnen.
So gut wie möglich hat sich Familie Bero mit ihrer neuen Umgebung arrangiert. Gemütlich wirken die karg eingerichteten Räume aber nicht. Zur Grundausstattung (Betten, Spinde, Tische und Stühle) kam in den vergangenen Wochen kaum weiteres Mobiliar hinzu. Bilder sucht das Auge des Betrachters vergeblich an den weiß gestrichenen Wänden.
Bei Regenwetter versammeln sich die jüngsten Kinder schon morgens vorm Fernseher. „Es wäre schön, wenn die Kinder zur Schule gehen könnten“, hofft Ali Bero auf einen geordneten Alltag für seinen Nachwuchs.
„Wir führen Gespräche mit der Schulbehörde und schauen auch nach Standorten“, teilt Stadtsprecher Andreas van Hooven mit. Geplant sei die Einrichtung einer Sprachlernklasse. „Das geht natürlich nicht so schnell.“
Sorgen macht sich Ali Bero auch um die Gesundheit seines Sohnes Assad. Der Zehnjährige leidet unter spontan auftretenden epileptischen Anfällen. „Für ihn, aber auch für uns alle, wäre es besser, wenn wir in eine Wohnung umziehen könnten“, nennt der Familienvater seinen größten Wunsch. Aber er möchte auch eine Arbeit. Angefragt hat der gelernte Elektriker, der bisher kaum Deutsch spricht, bereits wegen eines Ein-Euro-Jobs.
Abwechslung im oft tristen Alltag bieten der Familie die Einkäufe im Supermarkt. „Zu Fuß dauert es etwa eine halbe Stunde, bis wir dort sind. Das ist kein Problem“, so Ali Bero. Wiederholt sei er aber schief angeschaut worden, wenn er mit den Wertmarken bezahlte und dadurch den Betrieb im Supermarkt aufhielt.
Regelmäßigen Kontakt hält die Familie mit dem Yezidischen Forum in Oldenburg. Besuch bekam Familie Bero auch schon von einer engagierten Frauengruppe. Das nächste Treffen ist für den 22. Dezember angesetzt. Dann wollen Syrer und Deutsche gemeinsam Kekse und Plätzchen backen.
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