Klinik kämpft um Vertrauen
Hygiene Bremer Frühgeborenen-Intensivstation startet im Januar Neuanfang
Ein Krankenpfleger geht über den Flur der Neonatalen Intensivstation der Frauenklinik auf dem Gelände des Klinikum Bremen-Mitte in Bremen. BILD: dpa 
von Janet Binder
Bremer - Das Klinikum Bremen-Mitte steht vor einem Neuanfang. Drei Frühchen starben dort im August und Oktober an einem gefährlichen Darmkeim. Mindestens neun erkrankten. Schuld daran war mangelnde Hygiene auf der Frühgeborenen-Intensivstation. Politik und Staatsanwaltschaft untersuchen, wer dafür verantwortlich ist. Die Station wurde geschlossen, der Chefarzt fristlos entlassen. Nach wochenlangem Umbau und umfangreicher Desinfektion öffnet die Station am 9. Januar wieder. Die Klinikbetreiber hoffen, das verloren gegangene Vertrauen Schwangerer zurückzugewinnen.
Auf der Frühchenstation wurden Bodenbeläge herausgerissen, Schränke ausgetauscht und Arbeitsinseln abgebaut. „Damit wurden alle potentiellen Keimquellen entfernt“, sagt die Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord (GeNo), Karin Matiszick. Nach Weihnachten soll die Station wieder mit zum Teil neuen Möbeln und Geräten bestückt werden. Künftig wird sie nur noch durch eine Schleuse zu betreten sein - eine von zahlreichen Maßnahmen, die externe Hygieneexperten empfahlen.
Woher der Erreger kam, ist nicht mehr feststellbar. Experten des Robert-Koch-Instituts halten eine Übertragung von Mensch zu Mensch für wahrscheinlich. „Wir haben Fehler im Hygienemangagement gemacht“, hatte GeNo-Geschäftsführer Diethelm Hansen eingeräumt. Nun soll alles besser werden.
Für das Klinikum bedeutet die über zweimonatige Schließung der Neonatologie einen finanziellen Verlust von mindestens einer Million Euro. „Dazu kommen die Kosten für den Umbau in Höhe von 300.000 Euro“, sagt Sprecherin Matiszick. Zudem wird ein neues EDV-System für ein elektronisches Frühwarnsystem angeschafft. Auch die Zahl der normalen Geburten ging zurück. „Sonst hatten wir vier bis fünf Geburten pro Tag, zuletzt nur noch eine“, sagt Matiszick.
Am 30. April war auf der Frühchen-Station erstmals der multiresistente ESBL-Darmkeim der Gattung Klebsiella bei einem Frühchen nachgewiesen worden. Am 8. August starb das erste Kind, erst einen Monat später informierte die Klinik das Gesundheitsamt über die Infektionswelle. Im Oktober starben zwei weitere Kinder, am 1. November benachrichtigte das Gesundheitsamt die Senatorin - zu spät, wie Justizstaatsrat Matthias Stauch sagt.
Später stellte sich heraus, dass seit Ausbruch des Erregers bei 25 Frühgeborenen der gefährliche Keim nachgewiesen wurde. Durch eine unzureichende Dokumentation auf der Station war man zunächst von einer geringeren Zahl ausgegangen. Ein Untersuchungsausschuss will herausfinden, wo die Fehler im System lagen. CDU-Politiker und Ausschussmitglied Rainer Bensch rechnet frühestens nach Ostern mit Ergebnissen und Empfehlungen. „Es wird definitiv zu Veränderungen kommen“, ist er sicher.
Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.
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