Retter eilen mit Tempo 80 übers Eis
Übung DLRG nutzt zugefrorenes Zwischenahner Meer für Training – NWZ-Redakteur als „Unfallopfer“
Mit dem Hovercraft sind die DLRG-Retter binnen weniger Minuten an jeder Stelle auf dem Zwischenahner Meer (großes Bild und oben). Die Überlebensanzüge bieten Auftrieb und halten auch den NWZ -Redakteur (Mitte) im eiskalten Wasser warm. Zum Retten kommen auch Hilfsmittel wie aufblasbare Eisrettungsschlitten zum Einsatz (unten rechts). BILDer: Markus Minten/Nwz-TV 
von Markus Minten
Bad Zwischenahn - „Klar! Ich bin dabei.“ Keine Spur von Zweifel beim Autor dieser Zeilen, als der Vorsitzende der DLRG Bad Zwischenahn, Ralf Zimmermann, Ende vergangener Woche die Idee vorbringt, auch ein Redakteur könne doch mal Teil einer Eisrettungsübung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft sein.
Je näher der Tag allerdings rückt, desto größer werden die Zweifel. Ist der Anzug wirklich so dicht, wie versprochen? Wird es wirklich nicht kalt in dem eisigen Wasser? Und dann die Frage aller Fragen: Holen die dich da auch wirklich wieder raus? Sicherungsleine hin, Sicherungsleine her. Nicht, dass ich Zweifel an der Kompetenz der ehrenamtlichen Wasserrettung hätte. Aber irgendwie schießt mir doch der alte Spruch „Wer sich in Gefahr begibt, . . .“ in den Kopf. Wenig aufmunternde Worte wie „das würde ich aber nicht machen“ von Kollegen tun ein Übriges.
Und dann stehe ich vor dem Loch, dunkel und durchaus etwas bedrohlich. Einen Quadratmeter haben die DLRGler aus dem 17 Zentimeter dicken Eis herausgesägt. Was mich beruhigt: Vor mir haben die schon problemlos mehrere ihrer Kameraden vor dem Ertrinken „gerettet“.
Training für den Ernstfall
Also rein ins Nass. Und da folgt die erste – überaus positive – Überraschung: Es bleibt trocken und warm in dem Überlebensanzug, den ich zuvor mit Hilfe des DLRG-Vorsitzenden angezogen habe. Und es geht weiter mit der Erleichterung: Der Anzug treibt mächtig auf. Und: Ich stehe im weichen Schlick des Zwischenahner Meeres. Einzig die Füße werden nach einigen Minuten etwas kühl. Die angeschweißten Gummistiefel sind nicht mit einer so effektiven Wärmeisolierung versehen wie der Rest des Anzugs. Aber ich bin mir jetzt sicher: Ertrinken ist in meiner Situation nahezu unmöglich. Und sofort fängt die Übung an Spaß zu machen.
Für die Retter ist sie das allerdings nicht. Sie trainieren hier den Ernstfall. Möglichst schnell müssen sie dann am Einsatzort sein und Eingebrochene bergen. Denn ohne wasserdichten und wärmeisolierten Anzug sinkt die Überlebenschance rapide. Könnte man in dem knallorangenen Anzug mehrere Stunden auf Hilfe warten, sind es in normaler Kleidung nur Minuten. Vor einigen Jahren habe es ein Mann im Zwischenahner Meer mal mehr als 20 Minuten ausgehalten, berichten die DLRGler, normalerweise wird es aber schon deutlich schneller knapp.
Zum Glück sind Einsätze, bei denen Eingebrochene gerettet werden müssen, auf dem drittgrößten See Niedersachsens selten. Gerade zu Beginn der Saison werden Feuerwehr und DLRG aber immer wieder zu vermeintlich festgefrorenen Vögeln gerufen. „Für unsere Kameraden sind solche Einsätze nicht ungefährlich“, so Zimmermann. Er rät, die Tiere erst genau und länger zu beobachten, bevor ein Notruf getätigt wird. Erst am Montag macht sich die Feuerwehr auf den Weg nach Dreibergen, zu – so hatte eine besorgte Anruferin berichtet – einem eingefrorenen Schwan. Da die Kameraden an der angegebenen Unfallstelle allerdings nicht fündig werden, sorgt ein Anruf bei der besorgten Tierfreundin für Aufklärung. „Der ist gerade weggeflogen.“
Um im Fall der Fälle aber gewappnet zu sein, übt die DLRG – wann immer sich die Gelegenheit bietet – auch die Eisrettung. Und 17 Zentimeter Eis sind eine gute Gelegenheit. Simulieren lässt sich die Rettung Eingebrochener nämlich nur schwer.
Mit 65 PS zum Einsatzort
Zum Einsatz kommt seit Anfang 2004 in Bad Zwischenahn auch ein Hovercraft. Das Luftkissenboot mit dem DLRG-Funknamen „Adler 45“ wurde nach einer Rettungsaktion angeschafft, die nicht nur den Eingebrochenen, sondern auch die Retter an die Grenzen der Belastung gebracht hatte. Mehr als einen Kilometer hatten sie sich seinerzeit über brüchiges Eis robben müssen, um den jungen Familienvater, der beim Schlittschuhlaufen auf zu dünnem Eis eingebrochen war, erfolgreich zu retten. „Die Gefahr, selber in das Eis einzubrechen, war für jeden Einzelnen sehr groß“, so Zimmermann.
Heute geht es ungleich schneller – und sicherer. Ein 65-PS-Motor, der auch Ultraleichtflieger in die Luft hebt, beschleunigt „Adler 45“ je nach Beladung auf mehr als 80 Stundenkilometer. Binnen weniger Minuten können die Retter damit nahezu an jeder Stelle des Sees sein. Dünnes Eis oder Eisplatten sind dabei keine Hindernisse mehr. Einsatzfähig ist das Gefährt bei bis zu 60 Zentimeter hohen Wellen und Windstärke vier.
Für den Fahrer (und auch für den Beifahrer) ist die rasante Fahrt allerdings alles andere als ein Vergnügen, wie Nico Reiners betont. Und das glaube ich dem Bootsführer nach einer Übungsfahrt über das vereiste Meer sofort. Feine Eiskristalle stechen auf den ersten Metern wie tausend Nadeln im Gesicht, selbst wenn das mit Skihelm und -brille recht gut geschützt ist. Außerdem ist das Wetter gut und das leicht mit Schnee bedeckte Eis überwiegend spiegelglatt. Bei hoher Geschwindigkeit ist das Luftkissenboot dann zwar schneller als der aufgewirbelte Schnee, dann ist es aber der Fahrtwind, der die unbedeckten Körperpartien zu Eis werden lässt. Gebremst wird nicht im üblichen Sinne, vielmehr wird gedriftet, um sich der eingebrochenen Person so weit wie möglich zu nähern. Und um ein Gespür für das Hovercraft zu entwickeln, bedarf es der Übung. „Auch wenn es schon mal etwas laut wird“, wirbt DLRG-Vorsitzender Zimmermann um Verständnis für etwaige Lärmbelästigung.
20 Bootsführer
Reiners ist einer von rund 20 Bootsführern der DLRG, die auch das Hovercraft fahren. „Wir wissen ja nie, wer nach einer Alarmierung am schnellsten da sein kann. Deshalb sollen alle Bootsführer auch das Hovercraft fahren“, erläutert Zimmermann. Damit nicht nur bei der Übung alles reibungslos läuft.
Noch eine Bemerkung in eigener Sache am Rande: Hätten die Wasserretter dem ahnungslosen Redakteur verraten, dass er an der Übungsstelle stehen kann, hätte der sich einige Gedanken weniger gemacht.
NWZTV zeigt einen Beitrag von der DLRG-Rettungsübung unter http://www.NWZonline.de/tv
- Ein 46 Jahre alter Motorradfahrer aus Visbek (Kreis Vechta) ist am Freitagmorgen auf der Straße Endel in der Gemeinde Visbek bei einem Unfall schwer verletzt worden.
Der Mann war von Ahlhorn in Richtung Visbek unterwegs, als er ausgangs.mehr
- „Mein Mann Günter und ich waren uns nach der Sendung gar nicht sicher, ob wir wirklich gewonnen haben“, erzählt Janet Thyen. „Er hat am gleichen Abend noch den Computer eingeschaltet und erstmal recherchiert.mehr
- Ein Treckerfahrer ist bei einem Verkehrsunfall in Barver (Kreis Diepholz) unter seinem Anhänger eingeklemmt und tödlich verletzt worden.
Der 36-Jährige hatte am Donnerstag eine 52 Jahre alte Autofahrerin übersehen, die dann mit dem Traktor.mehr
- In Bremen ist am Freitagmorgen ein Feuer in einer Lagerhalle ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit etwa 110 Einsatzkräften am Brandort. Die Ursache für das Feuer war unklar, wie die Feuerwehr mitteilte.mehr
- Vier der 88 Meter hohen Containerbrücke stehen am Jade-Weser-Port an ihrem Platz, zwei weitere sind von dem chinesischen Frachtschiff abgeladen, das seit Anfang der Woche an der Kaimauer liegt. Mit Hochdruck wird am Bau einer Betonmauer tief unten im Meer gearbeitet, um die an vielen Stellen gerissene Spundwand zu sichern.mehr


