BREMERHAVEN, 7. Februar 2012


Sorge um entführten Dirigenten

Drogenmafia Stadttheater Bremerhaven sammelt Spenden für Rodolfo Cázares


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Dirigent Rodolfo Cázares wird vermisst: Mitarbeiter und Ensemblemitglieder des Stadttheaters Bremerhaven im Zuschauerraum der Theaters mit einem Porträtfoto des Entführten. BILD: David Hecker  Bild vergrößern

Viermal wurde Lösegeld bezahlt. Das Ensemble unterstützt die inzwischen heimgekehrte Frau des Opfers.

von Wolfgang Heumer

Bremerhaven - Das große Porträtbild im Zuschauerraum des Bremerhavener Stadttheaters zeigt einen optimistisch nach vorn blickenden jungen Mann. Doch die sorgenvollen Mienen der Ensemblemitglieder auf den Stühlen um das Bild sprechen eine andere Sprache.

Der Mann auf dem Bild ist Rodolfo Cázares, seit drei Jahren dirigiert er das Städtische Orchester. Seit sieben Monaten fehlt jede Spur von dem 35-Jährigen. Er wurde in Mexiko entführt.

Wahrscheinlich war es die Drogenmafia, wie Cázares’ Frau Ludivine Barbier vermutet. Eigentlich sollte der Urlaub in Cázares’ Heimatort Matamoros nahe der Grenze zwischen Mexiko und den USA eine Reise ins Glück werden. Doch das erste Wiedersehen mit der Familie nach drei Jahren wurde am 9. Juli jäh unterbrochen.

„Es war wie im Film“, schildert Ludivine Cázares die Szenen. Bewaffnete Männer in Militärkleidung drangen demnach nachts in das Haus ihrer Schwiegereltern ein. Sie überwältigten die Bewohner und fesselten sie. „Dann suchten sie Geld und Wertsachen“, ergänzt Orchestervorstand Roland Heermann. Nach dem Überfall wurde Cázares samt Ehefrau, Eltern, Schwester und deren Ehemann und Kindern verschleppt.

18 Personen, Kinder, Frauen, Männer, darunter der Dirigent und seine Frau. Ludivine Barbier, die anderen Frauen und alle Kinder kamen zwar drei Tage später frei. Doch von den Männern – neben Rodolfo noch sein Vater, sein Schwager und zwei Onkel – befinden sich immer noch in der Gewalt der Kidnapper.

Aus Angst um das Leben ihres Mannes informierte Ludivine Barbier monatelang nur wenige Freunde und Bekannte über das Verbrechen. Vier Mal wurde mittlerweile ein Lösegeld gezahlt – ohne Ergebnis. Eine Spendensammlung beim Theaterpublikum hatte die größte Not lindern können.

Derartige Entführungen sind im Norden Mexikos nicht selten; dort tobt ein Bandenkrieg zwischen der Drogenmafia und Spezialeinheiten der Regierung. Seit einigen Wochen ist der Fall publik; das Ensemble und die Besucher des Stadttheaters unterstützen die Ehefrau des Dirigenten; auch der Oberbürgermeister hat sich eingeschaltet und auf diplomatischem Weg den Botschafter Mexikos um Hilfe gebeten. Die Ehefrau des Dirigenten ist nach Bremerhaven zurückgekehrt.

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Gemeinsam mit den Musikern und Mitarbeitern des Theaters will sie jetzt alles tun, um Rodolfo Cázares frei zu bekommen. Nur eines wird sie nicht tun: die Hoffnung aufgeben, dass ihr Mann noch lebt.






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