Probleme mit Windpark vor Sylt
Offshore Bau von „Nordsee Ost“ verzögert sich – RWE Innogy kämpft mit Netz
Installationsschiff „Seabreeze“: Für den Stromkonzern RWE beginnt am Donnerstag das Zeitalter der deutschen Offshore-Windenergie. BILD: RWE Innogy dpa/lno 
von Wolfgang Heumer
Bremerhaven - Am Donnerstag beginnt in Bremerhaven für den Stromkonzern RWE das Zeitalter der deutschen Offshore-Windenergie. Am Abend wird an der Weser das erste von zwei so genannten Errichterschiffen erwartet, mit deren Hilfe die RWE Konzerntochter RWE Innogy künftig Windkraftanlagen vor der deutschen Küste aufstellen will. Bis zum tatsächlich Beginn der Arbeiten am Windpark „Nordsee Ost“ westlich von Sylt wird aber mehr Zeit vergehen als geplant.
Ursache sind grundsätzliche Probleme mit der Netzanbindung des Parks. Der künftige Chef des Stromerzeugers, Hans Bünting, warnte deshalb am Dienstag in Hamburg: „Das Energieziel der Bundesregierung, bis 2020 10 000 Megawatt Windkraftleistung in der Nordsee zu installieren, ist nicht zu erreichen.“
Mit drei vor der britischen und der belgischen Küste errichteten Windparks sowie vier weiteren dort geplanten Offshore-Anlagen ist RWE Innogy laut Bünting europaweit die Nummer drei der Branche. Zwischen 400 und 600 Millionen Euro will das Unternehmen künftig jährlich in die Offshore-Windenergie investieren; allein der Windpark Nordsee-Ost wird mindestens 900 Millionen Euro kosten. Die Garantievergütungen nach dem Erneuerbaren- Energien-Gesetz (EEG) sichern RWE eine Rendite von etwa acht Prozent nach Steuern.
Bislang schienen alle Planungen gut im Zeitplan zu sein, doch vor wenigen Wochen kam der „Bandbrief vom Netzbetreiber“, so Bünting. Die deutsche Tochter des niederländischen Netzunternehmens Tennet teilte RWE darin mit, dass es den Windpark „Nordsee Ost“ frühestens ein Jahr später als vertraglich vereinbart ans Festland-Hochspannungsnetz anschließen kann. „Für uns bedeutet dies, dass wir unsere Planung nach hinten schieben müssen“, sagt Bünting. Weil das Thema auch andere Windparks trifft, rechnet Bünting damit, dass erst nach 2015 mit voller Geschwindigkeit am Ausbau der Offshore-Windenergie gearbeitet werden kann.
„Wir sind so weit, wir könnten loslegen“, sagt Bünting dagegen über den Stand im eigenen Unternehmen. Doch zunächst werden ab Sommer nur die Fundamente für Nordsee Ost gebaut; die beim Bremerhavener Anlagenhersteller Repower bestellten Windmühlen bleiben an Land: „Die Salzluft würde sie zerstören, wenn sie so lange untätig auf See stehen“, sagt Bünting.
Über die eigenen Mehrkosten hinaus sorgt sich Bünting um einen Schaden, dessen Wert kaum zu beziffern ist: „Das Vertrauen der Investoren ist erschüttert.“ Gerade weil Stromerzeugung auf hoher Sicht bei Geldanlegern schon vorher als sehr riskantes Geschäft galt, hatte sich RWE Innogy entschlossen, das Geschäft von der Entwicklung über den Bau bis zum Betrieb aus selbst zu bestreiten und so die Risiken unter Kontrolle zu halten.
Daran hält Bünting fest: Bremerhaven wird der Ausgangshafen für den Bau der Windparks; auf dem Containerterminal hat sich der Konzern bereits 17 Hektar Fläche reserviert.
An den Bremerhavener Plänen will Bünting auch festhalten, wenn sich die deutschen Parks weiter verzögern.
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