Lieber Rente mit 76 statt mit 67
Ruhestand Geschäftsführer des Arbeitsmedizinischen Dienstes macht etwas länger
Karl Steinmann führte nach seiner Zeit bei Cewe Color 13 Jahre lang die Geschäfte beim Arbeitsmedizinischen Dienst. Mit 76 geht er zum zweiten Mal in Rente. BILD: Torsten von Reeken 
von Frank Jungbluth
Oldenburger Land - „Irgendwie haben wir das vergessen“, sagt Dr. Mathias Dietrich. Er lacht. Neben ihm sitzt Karl Steinmann. Der schmunzelt. Dietrich, Arzt und Abteilungsleiter für Arbeitsmedizin beim Arbeitsmedizinischen Dienst Oldenburg (ADO), und Karl Steinmann, Experte für Zahlen und Bilanzen, sind seit 13 Jahren ein Team. Eigentlich wäre Steinmann längst Rentner. War er genau genommen auch schon mal. „Sechs Wochen“, sagt er. Das war 1999.
Nach ein paar Wochen, die Steinmann, damals 63 Jahre jung, Ruheständler war, erreichte ihn ein Anruf. Am Telefon war Wulf D. Schmidt-Sacht, mehr als zwei Jahrzehnte Geschäftsführer und Vorstand bei Cewe Color. Dort hatte Steinmann bis 1999 zuletzt als Chef der Buchhaltung und Revision gearbeitet. „Fast 35 Jahre lang“, sagt er.
„Was machen Sie so den ganzen Tag?“ fragte Schmidt-Sacht mich“, erinnert sich Steinmann. Dann kam der frühere Chef schnell zur Sache. „Ich hätte da was für sie.“ Lange habe er nicht überlegt, sagt Steinmann. „Ich hatte zwar viel Stress in den Jahren zuvor. Aber dann plötzlich Rentner, irgendwie passte das nicht. Es war wohl zu früh.“
Während andernorts über die Verlängerung des Renteneintrittsalters auf 67 gestritten wird, fing für Karl Steinmann mit 63 die zweite Karriere an. „Mit wachsender Begeisterung habe ich das gemacht“, sagt er ohne langes Zögern. „Wir waren froh, ihn zu haben“, ergänzt ADO-Arzt Mathias Dietrich. Da sei einer gekommen, der Ordnung in die Zahlen gebracht habe.
Wie schnell doch so fast eineinhalb Jahrzehnte vergehen – „Wie gesagt, keiner hat mehr daran gedacht, wie lange das eigentlich so gehen soll. Alle waren zufrieden.“ Nur jetzt, als der 76. Geburtstag gefeiert wurde, war ADO-Geschäftsführer Steinmann bereit für den endgültigen Ruhestand. „Da gibt’s noch die eine oder andere Reise, die ich mit meiner Partnerin unternehmen will“, lacht er.
Es dürfte nicht mehr viele Beschäftigte geben, die Karl Steinmanns Lebensarbeitszeit von sage und schreibe 60 Jahren erreichen werden. „Ich haben mit 16 nach der mittleren Reife angefangen.“ Solide Ausbildung zum Industriekaufmann beim legendären Kamerahersteller Voigtländer in Braunschweig, Berufserfahrung bei einer Bremer Reederei, abends Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter, dann Omnipac Elsfleth und schließlich Cewe Color. „Das war viel Arbeit damals wie heute. Es war auch viel Spaß und Begeisterung“, sagt Karl Steinmann zufrieden. Wer weiß, was noch kommt?
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