„WM bietet bestes Anschauungsmaterial“
Interview Uwe Katzky lässt Erkenntnisse aus WM-Spielen ins Training beim TuS Büppel einfließen
von Henning Busch
FRAGE: Eignet sich die aktuelle Frauen-WM in Deutschland als Anschauungsunterricht für Trainer, die wie Sie im Frauenfußball tätig sind?
KATZKY: Ja, in vielerlei Hinsicht. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Trainertätigkeit ist die Vermittlung von taktischen Fähigkeiten. Ich denke, dass viele meiner Spielerinnen genau das wiederfinden, was ich im Training und im Spiel immer wieder von ihnen fordere. Insofern sehe ich das aus Sicht der Spielerinnen als bestes Anschauungsmaterial an. Aber auch für mich als Trainer sind insbesondere bei den spielerisch starken Mannschaften taktische Möglichkeiten zu sehen, die ich durchaus in mein Training und meine Mannschaft einbringen kann. Die Amerikanerinnen, aber auch die Französinnen haben bisher in dieser Hinsicht überzeugt. Die unterschiedlichen Spielsysteme sind wirklich gut zu erkennen und ausgeprägt.
FRAGE: Was ist Ihnen beim TV-Studium der WM-Spiele noch Interessantes aufgefallen, das Sie gewinnbringend in ihre Trainertätigkeit bei den Oberliga-Fußballerinnen des TuS Büppel einbauen können?
KATZKY: Es fällt auf, dass die Spielerinnen bei der WM technisch sehr anspruchsvoll spielen. Die individuellen Fehler sind nicht mehr in der Häufigkeit zu sehen, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Aber auch in athletischer Hinsicht haben die Frauen in unserem Sport im Vergleich zu den Männern erheblich aufgeholt. Der Frauenfußball ist schneller, athletischer und technischer als vor vier Jahren in China. Genau in diesem Bereich werde ich auch in der Vorbereitung auf die neue Saison ansetzen. Denn was nützt die schönste und ausgefeilteste Taktik, wenn die Spielerinnen physisch nicht in der Lage sind, sie umzusetzen?
FRAGE: Sie selbst trainieren in Büppel eine ganz junge Mannschaft. Sind darunter Spielerinnen, denen Sie einmal den Sprung in die Bundesliga zutrauen würden?
KATZKY: Ich habe in der Tat ein sehr junges Team – mit Spielerinnen auf gutem bis sehr gutem Oberliga-Niveau, einige mit Sicherheit auch auf noch höherem Niveau. Aber um es in die Bundesliga zu schaffen, braucht man viel mehr als nur Talent. Auch Glück gehört dazu. Das muss man sich allerdings erarbeiten, geschenkt wird es einem selten. Jedenfalls werde ich jede Spielerin fördern, die berechtigte Anfragen von hochklassigen Clubs erhält.
FRAGE: An diesem Dienstag kämpft die deutsche Nationalelf gegen Frankreich um den Gruppensieg. Was trauen Sie der Mannschaft, die bislang weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist, noch zu?
KATZKY: Fußball ist ein faszinierender Sport, weil er nicht immer berechenbar ist. Wir haben es ja schon oft gesehen: Eine Mannschaft kann in der Vorrunde nicht überzeugen, kommt aber trotzdem weiter. Wenn sie dann grundsätzlich über das Potenzial verfügt, ganz oben anzukommen, ist alles möglich. Und die deutsche Mannschaft verfügt über das Potenzial. Sie wird sich sicherlich noch steigern und unter den ersten vier Teams landen. Ich wünsche dem Team natürlich den WM-Titel und drücke ihm die Daumen.
FRAGE: Wer sind für Sie die Favoriten auf den WM-Titel?
KATZKY: Brasilien, Deutschland, USA. Eine der drei Mannschaften wird es meiner Ansicht nach machen. Aber wie gesagt: Fußball ist nicht immer berechenbar. Vielleicht ist am Ende ein ganz anderes Team Weltmeister.
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