Inklusion:
Grundschule achtet auf den guten Ton

Einrichtung am Wiesengrund wird Schwerpunktschule für Kinder mit Hörbeeinträchtigung

Das Kollegium hat sich fortgebildet, eine Projektwoche ist geplant. Jetzt hofft die Schule auf eine Verbesserung der Raumakustik.

BAD ZWISCHENAHN Stühlerücken, Papierrascheln, mit dem Nachbarn tuscheln – was viele in der Schule allenfalls stört, kann für manche Kinder Ausschlusskriterium sein. Jungen und Mädchen mit Hörbeeinträchtigungen, aber auch Kinder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch oder solche mit Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADHS) hören zwar etwas, was sie verstehen, ist aber oft etwas anderes – und damit oft falsch.

Das hat die Grundschule am Wiesengrund erkannt und sich auf den Weg gemacht. Innerhalb des Kooperationsverbundes der Grundschulen in der Gemeinde soll die Einrichtung Schwerpunktschule für Kinder mit Hörbeeinträchtigungen werden. Solche Kinder sollen im Zuge der Inklusion künftig möglichst in ihrem sozialen Umfeld beschult werden, nicht mehr getrennt in Förderschulen. Eine Fortbildung des Kollegiums durch die Arbeitsgruppe „Hörsensible Universität“ von Prof. Dr. Gisela Schulze hat bereits stattgefunden, der Kontakt zum Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte wird ausgebaut, eine Projektwoche ist noch dieses Schuljahr geplant.

Einen Vorgeschmack bekamen die Schüler am Donnerstag: Der schwerhörige Sänger und Musiker Daniel Denecke gab ein kleines Konzert. Mit seinem Projekt „Ear to heart“ tourt er bundesweit durch Schulen, um Kinder, Jugendliche, Lehrer und Eltern für das Thema Hören zu sensibilisieren. „Ich habe früher selber in der Schule gesessen und nichts mitgekriegt.“ Heute versucht er, Kindern das Thema durch Musik und Tipps zu vermitteln: „Das fängt schon beim MP3-Player ohne Lautstärkebegrenzung an.“

Allerdings ist ein optimales Beschulen aller Kinder nicht zum Nulltarif zu haben. Als Schwerpunktschule hofft Schulleiter Rolf Garbin nun schnellstmöglich auf die Umsetzung der seit drei Jahren beantragten raumakustischen Maßnahmen. Denn derzeit sprechen schon die nackten Zahlen eine deutliche Sprache: Sieht die entsprechende Norm vor, dass die Nachhallzeit in einem Klassenraum höchstens 0,5 Sekunden betragen darf, sind es am Wiesengrund in einigen Räumen bis zu zwei Sekunden. Das aber führt zu einem schlechteren Sprachverstehen. „In Räumen mit guter Raumakustik können Kinder mit Problemen beim Hören und Erkennen von Lauten besser die deutsche Sprache erlernen, weil sie die Laute ohne Störgeräusche klar hören und nachsprechen können“, so Garbin. „Damit wird ein entscheidender Nachteil, der sich auf die Schullaufbahnempfehlungen auswirkt, abgebaut.“

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Markus Minten

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Das Kollegium hat sich fortgebildet, eine Projektwoche ist geplant. Jetzt hofft die Schule auf eine Verbesserung der Raumakustik.
http://www.nwzonline.de/ammerland/bildung/grundschule-achtet-auf-den-guten-ton_a_1,0,568869602.html
14.10.2011
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