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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Fantasievolle Reise auf der Orgel

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Arp-Schnitger-Festival:
Fantasievolle Reise auf der Orgel

Wiefelstede Es gibt in der ganzen Welt keine zwei gleichen Orgeln. Sagen Orgelbauer. Aber es gibt unter den eigenwilligen Instrumenten ein paar ganz einzigartige. Sagen die Wiefelsteder. Sie meinen speziell ihre 1731 von Christian Vater gefertigte Orgel in St. Johannes. Stimmt! Sagen die kundigen Organisatoren des in das Musikfest Bremen eingebetteten Arp-Schnitger-Festivals. Also spielt Wolfgang Zerer zu diesem Anlass im voll besetzten Haus.

Zerer, Orgeldozent in Hamburg, Groningen und Basel, lässt spüren, dass das gerade erst von Henk van Eeken aufwendig und höchst kundig restaurierte Instrument selbst für ihn ein besonderes ist. Die weite Reise von Michael Prätorius (16. Jahrhundert) bis zu Matthias Siedel (20. Jahrhundert) hat er sorgfältig organisiert. Aber er doziert nicht, er versprüht vielmehr lebhaft die schillernde Originalität der Musik.

Wer meint, dass alte Musik sich durch Formstrenge auszeichne, dass zeitgenössische Musik hingegen kaum Einengungen unterliege, muss verdutzt sein. Die beiden weit gesponnenen Präludien in G und in e von Nicolaus Bruns (1665-1697) oder die Toccata prima von Georg Muffat (1653-1704) strotzen geradezu vor Gedankenfreiheit und Draufgängertum.

Zerer staffelt diese Musik überlegen, streut locker die filigranen Kaskaden ein, bringt die Akkorde im Plenum prächtig zum Strahlen. Aber er lässt ihr den höchst lebendigen improvisierenden Gestus. Dazu stellt er schlank und feingliedrig Johann Adam Reinckens Fuge in g als intimes Verzierungsstück fast nur im Flötenregister. Und schon hat er den Bogen zu Johann Sebastian Bachs leicht introvertiertem Präludium d-Moll BWV 877/1 geschlagen.

Was heute auf dem Instrument möglich ist, hätte Schnitger-Geselle Christian Vater sich nicht träumen lassen. Das Choralvorspiel “O Gott, du frommer Gott” des Romantikers Brahms befreit Zerer von jeder romantischen Klangschwemme. Matthias Siedel greift bei seinen Variationen zu “Es ist ein Schnitter, heißt der Tod” auf die alte Form der Choralpartita zurück. Und hier zeigt der Organist, wie auch in einem zeitgenössischen Werk freie Fantasie und Festigung durch einen streng angepassten Rahmen Hand in Hand gehen.

Leider, auch das sagen Orgelbauer, seien oft Menschen nach den Hörerfahrungen aus ihrer heimatlichen Dorfkirche für die wirkliche Schönheit des Instruments verloren. Das kann den Wiefelstedern nun überhaupt nicht passieren.


     www.musikfest-bremen.de