Integration:
Mit „lebenden Büchern“ Vorurteile abbauen

18 Menschen aus 15 Nationen bereiten in Rastede Projekt für Evangelischen Kirchentag vor

Mit dem Lied „Anders als Du“ will sich die Gruppe beim Kirchentag in Stuttgart vorstellen. Ziel des Projektes ist es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Rastede 18 Menschen aus 15 Nationen beteiligen sich mit einem außergewöhnlichen Projekt am Evangelischen Kirchentag in Stuttgart (3. bis 7. Juni). Geprobt haben sie dafür an zwei Wochenenden im Evangelischen Bildungshaus in Rastede.

Das Projekt heißt „Bildungslücke Fremdling“ und greift das Prinzip der „Lebendigen Bibliothek“ auf. Ausgeliehen werden können allerdings keine Bücher, sondern jene 18 Menschen aus 15 Nationen, die sich anderen mit ihrem Wissen über ihr Land und dessen Menschen für ein Gespräch zur Verfügung stellen. Diese „lebenden Bücher“ gehören Gruppen an, die mit Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert sind.

„Das Projekt wird Menschen verbinden, und ich werde viel dabei lernen“, sagt Jean-Eric Doudou. Der Sänger von der Elfenbeinküste macht bei der „Lebendigen Bibliothek“ ebenso mit wie der Vietnamese Uoi Phung, der durch den direkten Kontakt zu anderen Menschen helfen möchte, Angst und Scheu abzubauen, erzählt er.

In Stuttgart werden sich die 18 „lebendigen Bücher“ mit dem Lied „Anders als Du“ dem Publikum vorstellen. Darin wird deutlich, dass Doudou anders ist als Nasima, Uoi anders ist als Mohamed und Carla und Larissa anders sind als Anife. „Na und? Das Leben macht uns bunt“, heißt es im Refrain.

Im Anschluss an das Lied nehmen die „lebendigen Bücher“ Platz an Tischen. Wer das Gespräch suchen möchte, erhält vorher von einer Bibliothekarin eine Karteikarte zum gewünschten „Buch“. Auf Marians Karteikarte, dem lebendigen Buch aus Polen, könnte etwa stehen: „Ich trinke jeden Tag Wodka und klaue Autos. Alles Quatsch. Ich bin in Deutschland, weil ich meine Doktorarbeit hier beenden möchte.“

„Der ,Entleiher‘ bekommt so die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, mit denen er vielleicht im alltäglichen Leben nicht ins Gespräch kommen würde“, sagt Heike Scharf von der Evangelischen Heimvolkshochschule, die das Projekt mit der Akademie der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg und der Volkshochschule Oldenburg im „Haus der Wirtschaft“ in Stuttgart, Willi-Bleicher-Straße 19, veranstalten wird.

„Oftmals bestehen gegenüber verschiedenen Personengruppen Voreingenommenheiten, die im Gespräch hinterfragt werden können“, weiß die Diplom-Sozialpädagogin. Uwe Fischer, Kulturreferent der Evangelischen Akademie, ist denn auch sicher, dass die „Lebendige Bibliothek“ eine gute Möglichkeit bietet, sich über den Dialog ein eigenes Bild des Gegenübers zu machen.

Ratschläge erhalten die „Lebendigen Bücher“ von Anna Drosdowska. Die pädagogische Mitarbeiterin der Volkshochschule Oldenburg sagt den Projektteilnehmern, dass sie nicht alle Fragen beantworten müssen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Gesprächspartner respektvoll gegenüber den ,lebenden Büchern‘ verhalten. Andernfalls sind sie durch uns geschützt.“ In der Bibliotheksordnung, die vorher von den „Entleihern“ akzeptiert werden muss, seien – wie in einer „normalen“ Bücherei – Regeln vorgegeben.

Die ARD berichtet am Sonntag, 7. Juni, ab 17.30 Uhr in der Sendung „Gott und die Welt – Wir sind so frei“ über das Projekt „Lebendige Bibliothek“.

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Mit „lebenden Büchern“ Vorurteile abbauen
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01.06.2015
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