Private Initiative Zur Seenotrettung:
Westersteder rettet vor Lesbos Flüchtlinge

Karsten Klebert ist von seinem zweiten Einsatz mit „Sea-Watch“ zurück. Auf dem kurzen Seeweg sind viele Familien unterwegs. Trotzdem kann die Überfahrt gefährlich sein; deshalb arbeiten mehrere Organisationen zusammen.

Westerstede Noch sehr deutlich stehen dem Westersteder Karsten Klebert die Bilder vom Einsatz für die Flüchtlingshilfe vor der griechischen Insel Lesbos vor Augen. Hier verbrachte er insgesamt zehn Tage im Auftrag von „Sea-Watch“, einer privaten Initiative zur Seenotrettung. Vor Ort war er sogar über Weihnachten. „Das war schon ein komisches Gefühl, wenn die Familie in Deutschland Weihnachten feiert und man nicht dabei ist. Aber wir haben die Bescherung nach meiner Rückkehr nachgeholt“, erzählt er.

„Etwa 400 000 Menschen sind im vergangenen Jahr über Lesbos in die EU gekommen. Es sind vor allem viele Familien mit Kindern, die in der Türkei starten und den kurzen Seeweg nehmen. Aber es kann auch hier gefährlich sein, je nach Witterung und besonders im Dunkeln, außerdem gibt es etliche Küstenabschnitte mit Klippen. So kommt es immer wieder zu Unglücken“, erläutert Klebert den Grund für den Einsatz. „Überall liegen im Wasser und an Land bergeweise Schwimmwesten. Wenn sie an die Klippen gespült werden, meinen die ankommenden Flüchtlinge, dort könnten sie sicher an Land gehen. Dabei ist es da besonders gefährlich“, nennt Klebert ein Beispiel.

Häufig hätten sich die Flüchtlinge schlecht ausgerüstet und mit völlig überladenen Booten auf den Weg übers Meer begeben. In der Türkei würden ihnen vielfach billige Imitationen für teures Geld angedreht.

Seenotrettung

Sea-Watch ist eine private Initiative zur Seenotrettung im Mittelmeer. Ziel ist es, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu bewahren. Die Crew arbeitet ehrenamtlich. Getragen wird die Organisation von einem Verein, der auf Spenden angewiesen ist. Weitere Informationen gibt es im Internet.

Rund 40 Hilfsorganisationen hätten eine Alarmierungskette entwickelt und würden auf der kleinen Insel eng verzahnt zusammenarbeiten, um die Flüchtlinge zu versorgen. Klebert, der mit seinem Team in einem Ferienhaus wohnte, das ein deutsches Ehepaar der Hilfsorganisation kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte, rückte zu mehreren Einsätzen aus. „Wir wurden angerufen, sind aber auch Patrouille gefahren.“

Über 200 Flüchtlinge konnte die Crew sicher an Land bringen, wo sie von Helfern anderer Hilfsorganisationen weiterversorgt wurden. An Bord der „Sea-Watch“ waren die Kenntnisse des Intensivpflegers nur hin und wieder wegen einer Erstversorgung gefragt. Anders bei seinem Einsatz im vorigen September, als er mit der Hilfsorganisation zwischen der italienischen Insel Lampedusa und der libyschen Küste unterwegs war: „Der Seeweg ist viel weiter, es fehlt die Orientierung. Die Menschen sind vielfach ausgetrocknet, wenn wir sie antreffen, weil sie nicht genug Wasser an Bord haben. Auch Verletzungen müssen behandelt werden“, erinnert sich Klebert.

Für ihn steht daher fest, dass ihn sein nächster Einsatz dorthin führt, wo er am effektivsten Hilfe leisten kann. Im Frühjahr oder Herbst will der 53-Jährige an Bord eines ehemaligen Forschungsschiffs gehen, das jetzt ebenfalls zu „Sea-Watch“ gehört und auf hoher See Patrouille fährt.

Leserkommentare

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  tycriss 29.01.2016, 10:31:14
Warum helfen die selbsternannten "Seenot-Retter" lieber denen, die ihre Familie im Stich lassen und tausende Euro für eine Flucht aufbringen können, anstatt den bettelarmen Menschen (vermehrt Frauen und Kinder) in den Flüchtlingslagern rund um Syrien bzw. in Kenia? Ist es Abenteuerlust oder Geltungssucht?
Effektive Hilfe wird im Mittelmeer nicht geleistet. Diese "Helfer" schaffen Fehlanreize, so dass sich immer mehr Menschen in Booten auf den Weg nach Europa machen. Da nicht alle gerettet werden können, sterben in Zukunft vermutlich mehr Menschen im Mittelmeer als vor Beginn dieser Rettungseinsätze.

Über den Autor

Kerstin Schumann

Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel.: 04488 9988 2604
Fax: 04488 9988 2609

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