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Jedes Menschenleben zählt

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Seenot:
Jedes Menschenleben zählt

Westerstede Das Weihnachtsfest wird der Westersteder Karsten Klebert in diesem Jahr nicht unter dem Tannenbaum verbringen, sondern auf einem Boot. Mit der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch ist er in der Meerenge zwischen der Türkei und Griechenland unterwegs, um Flüchtlinge zu bergen.

Es ist in diesem Jahr sogar sein zweiter Einsatz mit der erst jungen ehrenamtlichen Organisation, die von engagierten Bürgern ins Leben gerufen wurde. „Ich hatte das im Internet gelesen“, erzählt der Intensivpfleger und stellvertretende Schulleiter des Ammerländer Ausbildungszentrums für Gesundheitsberufe. Der passionierte Segler fühlte sich sofort angesprochen. „Durch meine Ausbildung kann ich helfen. Außerdem fährt meine Tochter zur See. Wenn die mal in Seenot gerät, sollte ihr auch geholfen werden. Ich denke aber auch an meine Mutter, die aus Schlesien geflohen ist. Deshalb war ich für das Thema sensibilisiert“, erklärt der 53-Jährige seine Beweggründe.

Mitte September brach er zu seinem ersten Einsatz auf. Mit einem Arzt und weiteren notfallerfahrenen Pflegekräften ging er an Bord eines umgebauten und mit viel Technik ausgestatteten Fischkutters. Die Mission: Zwischen der italienischen Insel Lampedusa und der libyschen Küste zu kreuzen und gezielt Flüchtlinge in Seenot aufzuspüren, um sie vor dem Ertrinken zu retten. „Wir haben dort allerdings zu wenig Platz, um alle an Bord zu nehmen. Auf einem Schlauchboot sind manchmal bis zu 100 Leute. So kümmern wir uns vor allem um die Schwerverletzten. Wir versorgen alle Menschen aber mit Schwimmwesten und Rettungsinseln und nehmen Kontakt mit anderen Organisationen auf, die Flüchtlinge an Land bringen können“, fasst er die Aufgaben zusammen.

Jede Rettungsaktion berge auch Risiken, sagt Klebert. „Man muss überlegt vorgehen, um effektiv helfen zu können. Es darf nicht passieren, dass so ein Boot kentert, bevor alle eine Schwimmweste haben. Afrikaner können in der Regel nicht schwimmen.“

Trotz aller Erfolgserlebnisse sei so ein Einsatz immer auch belastend. „Man kann sich nicht vorstellen, wie viele Menschen in so einem kleinen Boot unterwegs sind. Manche haben Verletzungen oder Folterspuren. Viele sind ausgetrocknet, weil zu wenig Trinkwasser an Bord ist. In Gesprächen erfährt man, wie lange manche schon unterwegs sind“, schildert der Westersteder einige Eindrücke. Ein Bild hat sich ihm besonders eingeprägt: „Wir haben ein Boot angetroffen, auf dem kein Mensch mehr an Bord war. Sie müssen alle ertrunken sein.“ Die Crewmitglieder werden psychologisch betreut, um mit Tod und Elend besser umgehen zu können. Der Erfolg indes beflügelt, wie Klebert weiß. Rund 2000 Menschen konnten dank Sea-Watch inzwischen gerettet werden. „Da es sich um eine Privatinitiative handelt und um keine große Organisation, kann man schnell reagieren. Die Entscheidungswege sind kurz.“

Am Freitag startet Klebert zu seinem zweiten Einsatz. Diesmal geht er nicht an Bord des Fischkutters, sondern eines ehemaligen Polizeischnellbootes, das ebenfalls im Auftrag von Sea-Watch unterwegs ist. „Weil in dem Abschnitt zwischen der Türkei und Griechenland normalerweise sehr kleine Boote genutzt nur werden, können wir sogar Flüchtlinge an Bord nehmen“, betont Klebert. Da der Westersteder bis 29. Dezember an Bord bleibt, wird er auch Heiligabend Patrouille fahren. „Als Crew werden wir aber sicherlich eine kleine Weihnachtsfeier gestalten“, ist sich Karsten Klebert sicher.

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