450 km bis zum Ausbildungsplatz
Landessieger 2009 André Figas (Bild oben) – und mit Ausbildungsmeister Christian Bohndieck (kl. Bild). BILDer: wieting 
André Figas hat sein Hobby zum Beruf gemacht -
André Figas ist in Neustrelitz im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. Sein Hobby und seine Leidenschaft war und ist sein Fahrrad. Es gab in seiner Jugendzeit für ihn fast nichts Schöneres, als sich mit seinem Fahrrad zu beschäftigen. Familie und Freunde brachten ihr defektes Fahrrad gerne zu André, denn wenn einer es wieder „flott“ bekommen konnte, dann er.
Auch beruflich wollte André Figas natürlich gerne Zweiradmechaniker werden und somit sein Hobby zum Beruf machen. In Neustrelitz und Umgebung war das Angebot an Lehrstellen allerdings sehr knapp. Über 30 Bewerbungen verschickte er in der gesamten Republik, aber alle ohne Erfolg.
Eines Tages erzählte ihm eine Nachbarin, dass sich ein Bekannter bei dem großen Fahrradhersteller „Derby Cycle“ in Cloppenburg bei Bremen beworben habe. André hatte zwar nie von dieser Firma gehört, versuchte es aber trotzdem; und diesmal mit Erfolg. Er wurde von den Verantwortlichen von „Derby Cycle“ zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. „Derby Cycle“ ist der größte Fahrradhersteller in Deutschland und zählt auch zu den Größten in Europa. Insgesamt sind 580 Mitarbeiter in diesem Unternehmen beschäftigt. Zusammen mit seinen Eltern ging es dann in das 450 km entfernte Cloppenburg. Gut eineinhalb Stunden dauerte das Gespräch mit dem Personalleiter Johannes Langkau und dem damaligen verantwortlichen Ausbildungsleiter Rüdiger Villwock. Nach vier Wochen dann die erlösende Nachricht: Am 1. September 2005 ist erster Ausbildungstag bei „Derby Cycle.
„Wir stellen jedes Jahr ca. zwei Auszubildende in der Sparte Zweiradmechanik ein. 2005 hatten wir zwölf Anwärter zum Vorstellungsgespräch eingeladen, und André Figas erfüllte das Anforderungsprofil sehr gut. Auch der zweite Auszubildende Rio Müller, der in dem Jahr eingestellt wurde, kommt ebenfalls nicht aus der näheren Umgebung, sondern wie André Figas aus Mecklenburg-Vorpommern. In ihrer dreieinhalbjährigen Lehrzeit bekommen die Auszubildenden Einblick in alle Produktionsabteilungen, wie zum Beispiel den Musterbau, wo neue Modelle entworfen werden, den Wareneingang oder die Schlosserei. Die Lehrlinge werden bei uns sehr gut geschult“, erklären und versichern Johannes Langkau und der neue Ausbildungsmeister Christian Bohndieck.
André Figas war mit Elan und Begeisterung bei der Sache und so war es keine Überraschung für die Verantwortlichen, dass er seine Zwischenprüfung sehr gut abschließen konnte. Immerhin hatte dieses Ergebnis eine Gewichtung von 35 Prozent in der späteren Gesellenprüfung.
Bei seiner Gesellenprüfung im Januar 2009 konnte André Figas besonders im praktischen Teil sein Können unter Beweis stellen. Unter anderem musste er innerhalb von drei Stunden ein Fahrrad komplett auseinander- und dann wieder fachgerecht zusammenbauen. Ferner war als Aufgabe gestellt, eine Gabel (ist am Fahrrad als Halterung zur Aufnahme des Vorderrades bestimmt) anzupassen. Im Bereich Elektrotechnik musste ein Schaltkreis aufgebaut werden, der natürlich anschließend auf seine Funktionstüchtigkeit überprüft wurde. Diese Gesellenprüfung beendete er mit der Note 2,2 und war damit gleichzeitig der beste Auszubildende in der Sparte Zweiradmechanik in der zuständigen Handwerkskammer Oldenburg. Sein Kollege Rio Müller belegte hier den zweiten Platz. Wie bei einem Wein könnte man sagen: „Ein sehr guter Jahrgang bei Derby Cycle“.
Kein anderer Zweiradmechaniker hatte in Niedersachsen eine bessere Durchschnittsnote als André Figas, und somit war er auch Landessieger 2009.
„Wir bilden aus, um die Auszubildenden dann auch zu übernehmen“, bringt Johannes Langkau die Philosophie von „Derby Cycle“ auf den Punkt. Heute ist André Figas vor allem in der Qualitätskontrolle tätig. Im November 2009 durfte André Figas als Landessieger beim Bundeswettbewerb für Zweiradmechaniker in Frankfurt am Main teilnehmen. Hier mussten die Teilnehmer eine Reparaturannahme bearbeiten, dass heißt vom Kundengespräch, einem Kostenvoranschlag bis hin zur Ausführung der Reparatur alles zu erledigen. Das alles wurde von der Jury bewertet, und das Endergebnis lautete: Bundessieger 2009: André Figas von Derby Cycle in Cloppenburg.
Damit aber noch nicht genug: im Januar dieses Jahres ging es dann für den amtierenden Bundessieger zur Europameisterschaft nach Sursee bei Luzern in der Schweiz. Auch hier galt es, höchst anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen, wie zum Beispiel einen Schalthebel am Rennrad zu wechseln, ein Hinterrad zu bauen oder ein Navigationsgerät zu erklären. Nur knapp verpasste André Figas den Sieg, aber der Titel „Vize-Europameister der Zweiradmechaniker“ ist auch nicht zu verachten.
Ab dem 30. August dieses Jahres wird André Figas für ein halbes Jahr auf die Meisterschule gehen, und danach wäre er dann der jüngste (26 Jahre) Meister im Hause „Derby Cycle“ und damit auch Vorbild für viele zukünftige Auszubildende. An seinem Beispiel sieht man, was alles möglich ist, auch wenn die erste Bewerbung nicht gleich angenommen wird.
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