23.02.2013

Technik
Brückentechnologie unter der Haube

Hybrid-Modelle mit externem Stromanschluss eine Rarität auf den Straßen

Eine Million Elektroautos in Deutschland bis 2020 – an diese Zielvorgabe glaubt in der Branche kaum noch jemand. Autobauer setzen auf den Plug-in-Hybrid.

Berlin/Bergisch Gladbach Wie bei den bekannten Hybridmodellen kombinieren die Entwickler dabei Verbrennungs- und Elektromotor. Allerdings bauen sie deutlich größere Akkus ins Fahrzeug. „Statt zwei oder drei Kilometer elektrischer Fahrt sind dann 20 und mehr Kilometer ohne Abgase möglich“, erklärt Toyota-Sprecher Dirk Breuer.

Lädt sich der konventionelle Hybrid beim Bremsen durch Energierückgewinnung von selbst, kann man die Variante mit größeren Batterien zusätzlich an der Steckdose einstöpseln („Plug-in“) und so im besten Fall mit Öko-Strom fahren.

Wer die meiste Zeit nur auf der Kurzstrecke zwischen Wohnung, Büro und Einkaufszentrum pendelt und regelmäßig Strom tankt, wird den Verbrenner kaum noch brauchen. Zugleich bleibt ein Nachteil reiner E-Autos aus: Weil man immer auch mit Benzin weiterfahren kann, muss niemand um die Reichweite fürchten oder lange nach einer Ladestelle suchen.

In Deutschland ist Toyota der einzige Hersteller, der einen Hybriden mit externem Stromanschluss auf Basis des Prius anbietet. Das 136 PS starke Modell kann laut Toyota binnen 90 Minuten an der Steckdose aufgeladen werden und bis zu 25 Kilometer ohne Sprit fahren. Der Haken an der Technologie ist wie bei den noch teureren reinen E-Autos der Preis: Mit 36 200 Euro kostet das Basismodell etwa 4500 Euro mehr als ein vergleichbarer Prius.

In der Handhabung vergleichbar sind die Zwillingsmodelle Chevrolet Volt und Opel Ampera. Auch sie können an der Steckdose aufgefrischt werden. Doch bei ihnen sorgt ein Elektromotor für Vortrieb, der von einem Benziner unterstützt wird. Dieser dient jedoch hauptsächlich als Reichweitenverlängerer („Range Extender“), der einen Generator antreibt und Strom erzeugt – unter anderem, wenn die Fahrzeugbatterie nach rund 60 Kilometern leer ist. Volt und Ampera sind mit Preisen jenseits von 40 000 Euro rund doppelt so teuer wie konventionelle Kompaktklassemodelle.

Porsche will neben dem exklusiven 918 Spyder den Panamera entsprechend umbauen. Einen ersten Vorgeschmack gab im Herbst auf dem Pariser Salon die Studie Sport Turismo. Sie fährt mit einem V6-Benziner mit 333 PS und einem 95 PS starken E-Motor. An der Steckdose binnen 2,5 Stunden geladen, liefert der Lithium-Ionen-Akku genügend Energie für mehr als 30 elektrische Kilometer, auf denen der Panamera bis zu 130 km/h erreicht. Der Normverbrauch laut Porsche: unter 3,5 Liter (CO2-Ausstoß: weniger als 82 g/km). Die Technik wird auch im neuen Audi Q7, im VW Touareg und in Porsches Cayenne verfügbar sein.

Der Golf kommt 2013 als Elektroauto und ein Jahr später als Plug-in-Hybrid. Audi hat die Technologie für den A3 auf dem Plan. Bei Mercedes wird die Hybridversion der für den Sommer angekündigten Neuauflage der S-Klasse ebenfalls an der Steckdose geladen werden können.

Der Plug-in-Hybrid ist eine wichtige Brückentechnologie auf dem Weg zum reinen E-Auto. Er fördert eine gewisse Nachfrage nach Lade-Infrastruktur und gewöhnt den Autofahrer an die Zukunft des Tankens sowie den neuen Umgang mit Reichweite und Ladestand. Der Plug-in-Hybrid verschwindet wahrscheinlich wieder, sobald rein elek­trisch betriebene Autos alle Anforderungen des Marktes erfüllten.

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