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Kombis zum Strampeln - Lastenräder sind die neuen Familienkutschen

Von Philipp Laage, dpa

Vor allem Familien in Großstädten entdecken das Lastenrad als Alternative zum Auto: Die Räder eignen sich für den Transport von Kindern und Einkäufen. Wer mühsames Strampeln scheut, findet auch Modelle mit elektrischem Hilsmotor.

Kuriere nutzen Lastenfahrräder seit Jahren. Doch Transport-Bikes sind auch für Familien interessant: «Hersteller und Händler berichten von deutlich steigenden Verkäufen für den privaten Gebrauch in den letzten Jahren», stellt Arne Behrensen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) fest.

«Die Bereitschaft, das Auto stehen zu lassen oder abzuschaffen, hat zugenommen», sagt Leopold Brötzmann von der Beratungsfirma Velokonzept Saade in Berlin. Vor allem in größeren Städten falle vielen der Schritt leicht, aufs Lastenrad umzusteigen. Mit den ausgebauten Zwei- oder Dreirädern lassen sich Kinder transportieren, die Wocheneinkäufe, das Haustier, kleinere Möbelstücke und auch die Kiste Bier für das Grillen mit Freunden.

«Zielgruppe sind oft Familien, die Großeinkäufe und Kinder durch die Gegend fahren», sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Für Distanzen um die fünf Kilometer seien Lastenräder immer interessant. Der Vorteil im Vergleich zum Auto liegt auf der Hand: Laufende Kosten für Steuern oder Sprit fallen bei Transporträdern nicht an. Und Abgase produzieren sie auch nicht.

Grob lassen sich drei unterschiedliche Typen von Lastenrädern unterscheiden. Zum einen sind da normale zweirädrige Fahrräder etwa von Yuba oder Xtracycle, die speziell für den Lastentransport konstruiert oder umgebaut werden, wie der VCD erklärt. Zum anderen gibt es lange zweirädrige Lastenräder mit tiefer Transportfläche, die sich am historischen «Long John» orientieren, den ein dänischer Mechaniker bereits in den 1920er Jahren entworfen hat. Zum Beispiel haben Larry vs Harry mit dem Bullitt oder auch Bakfiets.nl solche Modelle im Programm. Ein dritter Grundtyp sind die dreirädrigen Lastenräder mit großer Transportbox vorne, die besonders viel Ladung aufnehmen können. Dazu zählt etwa das Christiania Bike.   

Welcher Typ von Lastenrad für den privaten Gebrauch am besten taugt, hängt von der Zahl der Kinder und dem gewünschten Einsatzzweck ab. Wer nur Wasserkisten befördern will, muss in der Regel kein Zubehör kaufen. Anders beim Nachwuchs: «Man braucht Kindersitze mit Gurten», erklärt Filippek vom ADFC.

Für viele kann auch ein elektrischer Zusatzantrieb interessant sein: «Für Lastenräder ist eine Motorisierung einfach extrem praktisch», sagt Filippek. Vor allem beim Anfahren und bergauf sei ein Elektromotor mehr als angenehm. Doch die E-Variante ist teurer: Allein für einen guten Nachrüstsatz müsse man mit gut 1000 Euro rechnen, erklärt Leopold Brötzmann.

Bevor Neulinge unbedarft den halben Umzug mit einem Lastenrad organisieren, sollten sie sich an das Fahr- und Lenkverhalten der Räder gewöhnen. Unabhängig vom Modelltyp ist immer eine Probefahrt empfehlenswert. Vor dem Kauf sollten Interessenten sicher sein, was sie mit dem Lastenrad anstellen wollen. «Dann kann mir der Händler das Passende anbieten», sagt Filippek. Arne Behrensen rät, unbedingt in ein Fachgeschäft zu gehen.

In letzter Zeit würden auf dem Fahrradmarkt immer mehr Lastenräder angeboten, die auf verschiedene Weise ausgestaltet und umgebaut werden können, hat Brötzmann beobachtet. Für ein solides Transportrad sollten wenigstens um die 1200 Euro eingeplant werden. «Nach oben gibt es viel Luft.» Und wer nur gelegentlich Bedarf an einem Transporter zum Strampeln hat, kann sich ein Lastenrad vielerorts einfach ausleihen.

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16.08.2013
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