:
VW Golf Variant: Der Bestseller als Praktiker

infocom) – In der Zulassungsstatistik ist er der unangefochtene Meister. Doch an der Laderampe war der VW Golf noch nie ein großer Champion. Das wollen die Niedersachsen mit der Neuauflage ihres Kombis ändern, dem Golf Variant der Generation VII.

Eher lustlos gezeichnet und nicht so geräumig wie die Konkurrenz: So konnte der Golf seine Überlegenheit als Variant gegenüber Ford Focus Turnier oder Opel Astra Sport Tourer nie so recht ausspielen. Das soll sich mit dem neuen Golf Variant ändern. Er ist ab August zu Preisen ab 18 950 Euro erhältlich. Er bietet mehr Platz als sein Vorgänger und ist hübscher.

900 Euro Frachttarif

Der Variant kostet knapp 900 Euro mehr als der konventionelle Fünftürer. Bei diesem ist das Heck rund 30 Zentimeter länger. Der Raumgewinn kommt weniger den Mitfahrenden auf der Rückbank als dem Kofferraum zugute. 605 Liter bei aufrechter Rückbank – das sind 225 Liter mehr als beim Fünftürer und 100 Liter mehr als bei der vorangegangenen Generation. Legt man die Rücklehne mit einem Zug an den Schnapphaken in der Seitenwand um, wächst der Stauraum auf bis zu 1620 Liter – genug für einen großzügigen Einkauf im Baumarkt oder den Auszug in die erste Studentenbude. Zumal man für lange Latten oder Schrankseiten auf Wunsch auch den Beifahrersitz umlegen kann.

Weil ein Kombi nicht vom Platzangebot allein lebt, hat VW ein paar Details eingebaut, die zumindest bei den Niedersachsen neu sind. Den Ladeboden zum Beispiel kann man auf zwei Höhen arretieren oder aufrecht stehend als Raumteiler verwenden. Die Gepäckraumabdeckung verschwindet auf Wunsch in einem maßgeschneiderten Staufach im Tiefparterre. Und selbst die kleinen Ablagen neben den Radkästen sind nur mit Steckwänden getrennt, die man im Handumdrehen anders positionieren kann.

Design aus einem Guss

Anders als früher hat Volkswagen diesmal ein wenig ans Vergnügen gedacht. Das gilt zum einen fürs Design: Die Karosserie wirkt nicht mehr so lustlos, auch wenn der Variant meilenweit von einem trendigen Lifestyle-Kombi wie etwa dem Volvo V40 oder einem edleren Audi A3 Sportback entfernt ist. Statt hinten einfach einen Kasten aus Blech und Glas anzustückeln, haben die Designer die Linienführung des Fünftürers und den Schwung im letzten Karosseriepfosten übernommen und für den sportlichen Eindruck das Dach zwei Zentimeter tiefer gesetzt. So wirkt der Variant erstmals wie aus einem Guss.

Mehr noch gilt es für das Fahrverhalten. Nicht umsonst bekommt der Variant neuerdings serienmäßig die elektronische Differentialsperre für die Vorderachse. Sie bremst in engen Kehren das innere Rad ein. Das äußere läuft dann schneller und zieht den Kombi förmlich in die Kurve hinein. Wer bisweilen mal den Bordcomputer ignoriert, nicht so genau auf die Schaltanzeige achtet und mit etwas mehr Drehzahl zu Werke geht, kann mit dem Wagen tatsächlich ein bisschen um die Ecken räubern.

Sparsam oder sportlich

Dann sollte man sich allerdings nicht mit dem 63 kW/85 PS starken Basisbenziner bescheiden. Auch die Sparvariante BlueMotion, die bei 81 kW/110 PS auf einen Verbrauch von 3,3 Litern und einen CO2-Ausstoß von 88 g/km kommt, ist für sportlich ambitionierte Fahrer nicht die erste Wahl. Doch zum Beispiel der große Diesel mit 2,0 Litern Hubraum und 110 kW/150 PS macht zusammen mit der DSG-Automatik auch auf der Überholspur eine gute Figur. Mit maximal 320 Newtonmetern (Nm) beschleunigt er den Kombi von 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden, bei Vollgas sind 216 km/h möglich.

Bei ein bisschen Zurückhaltung bleibt man zumindest in der Nähe des Normverbrauchs, den VW mit 4,5 Litern und 119 g/km angibt. Wer wirklich leidenschaftlich fahren möchte, der kommt beim Golf zwar um den GTI nicht herum. Doch war der Vorgänger ein lustloser Langweiler, kann Papi seinen Pulsschlag mit der neuen Kombi-Generation zwischen Kindergarten, Büro und Baumarkt ein bisschen auf Touren bringen.

Fazit: Mit der Konkurrenz auf Augenhöhe

Als Drei- oder Fünftürer fährt der neue Golf den meisten Konkurrenten meilenweit davon. Beim Kombi dagegen waren die Niedersachsen zuletzt arg ins Hintertreffen geraten. Doch mit viel Platz und Prestige und einer Prise Fahrspaß fährt der Golf Variant jetzt mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Datenblatt: VW Golf Variant 2.0 TDI

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Hubraum: 1968 ccm
Max. Leistung: 110 kW/150 PS bei 3500-4000 U/min
Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750-3000 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungs-Automatikgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4657 mm
Breite: 1799 mm
Höhe: 1481 mm
Radstand: 2635 mm
Leergewicht: 1454 kg
Zuladung: 611 kg
Kofferraumvolumen: 605-1620 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 216 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,9 s
Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter/100 km
Reichweite: 1110 km
CO2-Emission: 119 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: EU5
Energieeffizienzklasse: A
Kosten
Basispreis der Modellreihe: 18 950 Euro
Grundpreis des Golf Variant 2.0 TDI DSG: 29 100 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr: 208 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: ESP, sieben Airbags, Multi-Kollisionsbremse, Müdigkeitserkennung
Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, doppelter Ladeboden
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zu ...

Mehr zu den Themen ...

Mehr aus diesem Ressort

article
4e51da64-0a32-11e3-9895-eb24c122a38a
VW Golf Variant: Der Bestseller als Praktiker
http://www.nwzonline.de/auto-motor/vw-golf-variant-der-bestseller-als-praktiker_a_8,3,461536949.html
21.08.2013
http://www.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/2011-2013/Agenturen/Bilder/dpa-serviceline/2013/08/21/urn-newsml-dpa-com-20090101-130725-99-05135_large_4_3.jpg
Motor,
Motor