Frühchen-Station wieder offen
Keim-Skandal Abteilung wurde renoviert – 100 Geburten weniger als in 2010
Nach der tödlichen Infektionswelle auf der Station im vergangenen Jahr hat die betroffene Abteilung wieder geöffnet. Sie war rund zwei Monate geschlossen. BILD: Dpa 
von Irena Güttel
Bremen - Der kleine Junge im Brutkasten liegt ruhig auf dem Bauch. Den Kopf mit den schwarzen Locken hat er zur Seite gedreht, die Hände zu winzigen Fäusten geballt. Das Baby kam am Sonntagabend zur Welt und ist damit der erste Patient auf der Bremer Intensivstation für Früh- und Neugeborene – noch vor der offiziellen Wiedereröffnung am Montagnachmittag.
Etwas mehr als zwei Monate war die Station geschlossen, nachdem dort seit April mehrere Neugeborene mit einem resistenten Darmkeim infiziert wurden. Drei von ihnen starben an der Infektion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt sogar wegen sechs Todesfällen. Die Klinik gab die Vorfälle jedoch erst Anfang November bekannt. Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) ließ die Station daraufhin schließen und schaltete das Robert-Koch-Institut ein.
Die Experten nahmen die Abteilung genau unter die Lupe, konnten aber auch nicht mehr eindeutig feststellen, wie die Kinder dort mit dem Erreger infiziert wurden. Sie empfahlen, die Station umzubauen, die Hygienemaßnahmen zu verbessern und ein Frühwarnsystem für Infektionswellen einzurichten. Darüber hinaus zog das Klinikum das Deutsche Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg hinzu.
Der Großteil der von den Fachleuten empfohlenen Veränderungen ist inzwischen umgesetzt. „Hygiene ist hier das oberste Gebot“ prangt in großer Schrift auf einer Tafel direkt am Eingang der Frühchenstation. Darunter sind viele Hinweise für die Besucher aufgelistet. Auch vor den Patientenzimmern, der Milchküche und den anderen Räumen fordern Schilder zum Desinfizieren der Hände auf.
„Wir haben die Durchgänge zwischen den Zimmern geschlossen und die Zahl der Betten reduziert“, erläutert der kommissarische Chefarzt Thorsten Körner. Seinen Vorgänger hatte die Klinikleitung Mitte November entlassen, seither sucht sie einen Nachfolger.
In den vergangenen zwei Monaten wurden außerdem alle Böden, Waschbecken und Schränke auf der Station ausgetauscht. Rund 250 000 Euro haben die Neuerungen laut Körner gekostet.
„Wir können nur durch gute Arbeit das Vertrauen langsam wiedergewinnen“, sagt der Chefarzt. Seit dem Bekanntwerden der tödlichen Infektionswelle sind die Geburtenzahlen im Bremer Klinikum Mitte stark eingebrochen. 2010 seien dort mehr als 1100 Kinder zur Welt gekommen, im vergangenen Jahr waren es rund 100 weniger.
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