Mängel am Klinikum Bremen-Mitte
Dokumentation Zeugen sagen vor dem Ausschuss „Krankenhauskeime“ aus
Ein Krankenhausmitarbeiter geht über den Flur der alten neonatalen Intensivstation im Klinikum Mitte. BILD: DDP 
Bremen - Bei der Dokumentation gab es Mängel am Klinikum Bremen-Mitte (KBM) – darin waren sich die Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss „Krankenhauskeime“ am Donnerstag einig.
Auf dem Fax-Gerät trudelt eine Meldung über einen auffälligen Keim-Befund ein, der Assistenz-Arzt sichtet sie und heftet sie in den Ordner zur Dokumentation. Das war das bisherige System der Erfassung von Krankenhauskeimen. Dass eine Häufung von Infektionsfällen mit einer solch handschriftlichen Dokumentation im Grunde nur zufällig erkannt werden konnte, war der Tenor der Zeugen, die vor dem parlamentarischen Ausschuss aussagten.
Auch auf der Neonatologie des KBM wurden Keiminfektionen so dokumentiert. Auf der Station starben im vergangenen Jahr drei Frühchen wegen einer Infektion mit dem ESBL-Keim.
„Solch eine reine Papiererfassung stößt recht schnell an Grenzen“, sagte Sebastian Schulz-Stübner vor den Ausschussmitgliedern. Der Mediziner arbeitet als Krankenhaus-Hygieniker für das deutsche Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg. Vom Chef der Klinik-Holding „Gesundheit Nord“ (Geno), Diethelm Hansen, war er im November beauftragt worden zu klären, was in Zukunft hygienisch anders geregelt werden solle. Zwei Tage war Schulz-Stübner mit einem Kollegen vor Ort, der ebenfalls im Ausschuss befragt wurde.
Dem Vernehmen nach enthält ihr Bericht eine lange Liste an Hygiene-Mängeln: „Absaugkathetern“ seien „offen gelagert“ worden, an einem Wasseranschluss hätten die Hygiene-Experten eine Warnung entdeckt, dass der Anschluss „wegen hoher Keimzahlen nicht benutzt werden soll“.
Vor dem Untersuchungsausschuss sagte Schulz-Stübner, die meisten Hygiene-Vorschriften seien eingehalten worden. Bei der Dokumentation von Keimauftritten aber fehlten „klare Zuständigkeiten“ bei den Ärzten. Schulz-Stübner empfahl, die Erfassung von Infektionen in Zukunft auf den Computer umzustellen, wie es an vielen Kliniken üblich sei und mittlerweile auch von der Geno geplant werde.
- Jetzt steht es auch offiziell fest: Der für den Tod mehrerer Frühchen verantwortliche Keim im Klinikum Bremen-Mitte ist erneut nachgewiesen worden. Der genetische Nachweis sei jetzt da. Das ergab die Untersuchung des Bakteriums in einem Bochumer Labor, bestätigte eine Sprecherin des Klinikverbunds Gesundheit Nord.mehr
- Der Klinikverbund Gesundheit Nord (GeNo) hat die per Gutachten bekannt gewordenen Hygiene-Mängel bei der Reinigung von Patientenbadezimmern im Klinikum Bremen-Mitte eingeräumt.
Bisher seien noch nicht alle Fehler beseitigt worden, sagte.mehr
- Die Kündigung des Chefarztes der Bremer Frühchen-Station nach der tödlichen Infektionswelle im vergangenen Jahr ist nicht rechtens. Das Arbeitsgericht erklärte die Kündigung gestern für unwirksam.
Im vergangenen Jahr hatten sich im Klinikum-Mitte mehrere Babys mit einem resistenten Darmkeim angesteckt.mehr
- Die Entlassung des Chefarztes der Bremer Frühchenstation nach der tödlichen Infektionswelle im vergangenen Jahr ist nicht rechtens. Das Arbeitsgericht erklärte am Mittwoch die Kündigung von Hans-Iko Huppertz für unwirksam.mehr
- Der für mehrere frühgeborene Babys tödliche Hygiene-Skandal im Klinikum Bremen-Mitte hat sich nach der Wiedereröffnung der Station Anfang dieses Jahres wiederholt.
Das belegt ein am Dienstag im Untersuchungsausschuss „Krankenhauskeime“ bekannt gewordenes Gutachten des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg vom Februar 2012.mehr


