Neuer Bremerhaven-Coach Machowski:
Er knabbert immer noch am Baskets-Rauswurf

Am Abend gibt der 44-Jährige in Braunschweig sein Trainerdebüt für die Eisbären. Es hat ihn tief getroffen, dass er bei den Oldenburgern „von einem Tag auf den anderen zur Persona non grata“ wurde. Bei seinem neuen Club will Sebastian Machowski es sich auch selbst beweisen.

Oldenburg/Bremerhaven Sebastian Machowski saß bereits auf gepackten Koffern Richtung Miami, als ein Anruf aus Bremerhaven seine USA-Reisepläne durchkreuzte. Am anderen Ende der Leitung war Eisbären-Manager Jan Rathjen, der den Trainer von einem Engagement beim abstiegsbedrohten Basketball-Bundesligisten überzeugen wollte.

2013 Vizemeister mit den Baskets

Sebastian Machowski (44) begann seine Trainerkarriere in der Bundesliga in Braunschweig. Von 2009 bis 2012 führte er das Team dreimal in die Playoffs. Anschließend wechselte er nach Oldenburg, wo er bis März 2015 tätig war. Mit der Vizemeisterschaft feierte er dort gleich in der ersten Saison seinen größten Erfolg. Zudem wurde er 2013 als Trainer des Jahres ausgezeichnet.

„Das kam auch für mich überraschend. Ich hatte die Saison für mich eigentlich schon abgeschlossen“, berichtet Machowski von dem Telefonat am vergangenen Montag, nach welchem er sich unversehens ins Auto setzte und von seinem Wohnort Oldenburg nach Bremerhaven fuhr. „Ich hatte dort ein sehr gutes Gespräch“, sagt der 44-Jährige. Als dann auch seine Ehefrau Nathalie ihren Segen gab, stand Machowskis Entschluss endgültig fest: Bremerhaven statt Miami. „Meine Frau hat zu mir gesagt: ,Das musst du machen’ und da haben wir unseren Urlaub von jetzt auf gleich storniert“, erzählt er.

Seit Dienstag ist Machowski zurück im Trainergeschäft – ziemlich genau ein Jahr nachdem er bei den EWE Baskets Oldenburg vor die Tür gesetzt worden war. Es war das unrühmliche Ende einer zweieinhalbjährigen Zusammenarbeit, die mit der Vizemeisterschaft 2013 so verheißungsvoll begonnen hatte. Doch die vergangene Saison verlief äußerst holprig, Machowski schaffte es nicht, das Ruder herumzureißen und musste schließlich nach einer peinlichen Heimpleite gegen Trier gehen – wenige Wochen vor dem Pokal-Finalturnier in eigener Halle, das die Baskets schließlich mit Mladen Drijencic gewannen.

Machowski macht keinen Hehl daraus, dass er an seinem Rauswurf zu knabbern hatte. „Wir hatten zuvor eine tolle und erfolgreiche Zeit“, beginnt er nach kurzem Zögern: „Umso mehr hat es mich getroffen, dass ich bei den Baskets von einem auf den anderen Tag zur Persona non grata wurde. Vielleicht war die Entscheidung aus geschäftlicher Sicht verständlich, auf menschlicher Ebene fand ich es sehr schade.“

Beim Tabellenvorletzten Bremerhaven soll der frühere Nationalspieler als Nachfolger von Chris Harris die taumelnden Eisbären nun vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit bewahren. Elf Partien bleiben Machowski, um die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln – an diesem Freitag (20 Uhr) gibt er im Spiel bei den Löwen Braunschweig sein Debüt auf der Bremerhavener Trainerbank. „Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen werden. Die Mannschaft macht auf mich einen guten Eindruck“, sagt Machowski, der in Bremerhaven wieder mit den Ex-Oldenburgern Jannik Freese und Philip Zwiener zusammenarbeitet.

Die Rolle als Feuerwehrmann im Abstiegskampf ist freilich neu für Machowski. Auf seinen früheren Stationen Braunschweig und Oldenburg spielte er mit seinen Teams stets um die vorderen Plätze mit. „So eine Situation kannte ich bisher nicht. Es ist eine große Herausforderung, die mich unheimlich reizt. Ich will es auch mir selbst beweisen, dass ich diese Aufgabe lösen kann.“

Der Vertrag von Machowski gilt zunächst einmal nur bis zum Saisonende. Wie es danach weitergeht, lässt der 44-Jährige offen: „Darüber reden wir nach dem letzten Spieltag. Momentan habe ich für so etwas keinen Kopf. Das einzige, was jetzt zählt, ist, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“

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Christopher Deeken

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