JEVER, 20. Februar 2010


Vom Polarkreis bis in die Sahara

REISELUST Familie Homberg aus Jever vom Motorrad-Virus infiziert – Kinder auf dem Sozius – Länder spüren


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Mit dem Motorrad auf Tour (v.l.): Pia, Ilka, Niels und Jens Homberg aus Jever BILD: JENS HOMBERG Bild vergrößern

ILKA UND JENS HOMBERG HABEN ZUSAMMEN RUND 400 000 KILOMETER ZURÜCKGELEGT. IHR TRAUM IST EINE REISE DURCH ARGENTINIEN UND CHILE.

VON LORE TIMME-HÄNSEL

Jever - Diese Familie ist für den Pauschaltourismus verloren. Unvorstellbar, dass Ilka (44), Jens (46), Niels (15) und Pia (8) Homberg in ein Flugzeug steigen, um einen Cluburlaub „all inclusive“ zu verbringen. Die Familie aus Jever reist auf Motorrädern, vom Polarkreis bis in die Sahara. Zusammen haben es Ilka und Jens Homberg bereits auf rund 400 000 Kilometer gebracht, seit 2004 reist Niels auf dem Sozius mit, Pia ging 2009 erstmals mit auf Reisen nach Südfrankreich.

Von Rallye fasziniert

Den Motorrad-Virus hat Jens Homberg in die Familie gebracht. Fasziniert von der Rallye Paris-Dakar, machte er seine ersten Fahrversuche auf dem Motorrad seines Vaters. Bis zur ersten großen Reise sollte es etwas dauern. Sie führte ihn 1988 mit einer Honda XL 600 V Transalp nach Frankreich über die „Route des grandes Alpes“ von Evian nach Nizza. „Das Motorrad musste sich seinen Namen verdienen“, sagt der Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Wilhelmshaven. In die Berge ging es auch in den folgenden Jahren, nach Südfrankreich und Spanien, Italien und Norwegen.

Das Motorad wurde seinem Namen gerecht, und eine Trennung wäre für Jens Homberg nicht in Frage gekommen, wenn es da nicht das verlockende Angebot einer Honda XRV 650 Africa Twin RD03 gegeben hätte, ein direkter Ableger der Honda-Werksmaschine auf der Rallye Paris-Dakar. Er stieg um und seine Frau, eine passionierte Reiterin, sattelte um auf die Twin. „Wer es gewohnt ist, auf einem Pferd zu sitzen, kommt auch mit einem Motorrad klar“, sollte Jens Homberg Recht behalten. Seine Frau stecke manche kniffelige Passage besser weg als er.

Feuertaufe

Ilka machte 1993 den Motorrad-Führerschein und wenige Wochen später ging es mit den Motorrädern auf Landstraßen durch Frankreich und Spanien und mit der Fähre von Barcelona nach Mallorca und auf die gleiche Weise wieder zurück. „Das war meine Feuertaufe", sagt die 44-Jährige über ihre erste Motorradreise über rund 4000 Kilometer.

Vom Motorrad-Virus infiziert, folgten viele gemeinsame Reisen und 1996 endlich Afrika. In Tunesien schnupperten die beiden zum ersten Mal Wüstenluft und einen Hauch von „Paris-Dakar“. Sie halten es seitdem mit Sven Hedin („Von Zeit zu Zeit braucht jeder Mensch ein wenig Wüste“) und reisten in den folgenden Jahren nach Libyen und Marokko.

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Reisen ohne Angst

Was macht Reisen mit dem Motorrad so faszinierend? Ilka muss nicht lange überlegen: „Man spürt und riecht das Land.“ Dazu gehören der Duft blühender Wiesen und schattiger Wälder genauso wie die Hitze der Wüste, der Gestank wilder Müllkippen oder die Kälte auf hohen Bergpässen oder am Polarkreis. „Ein überstandener Sandsturm ist ein sehr nachhaltiges Erlebnis“, sagt Jens.

Angst haben sie noch nie auf ihren Reisen gehabt. „In allen Ländern haben wir uns sicher gefühlt“, betonen beide und schwärmen von der Gastfreundschaft. In Libyen wollten sie beispielsweise in einem Dorf ein Brot kaufen und bekamen drei geschenkt. Als Freunde einmal im Zelt in einem Palmenhain übernachteten, weil sie kein Quartier gefunden hatten, lud sie der Grundbesitzer zum Essen ein. In Deutschland kaum vorstellbar, glaubt der Jeveraner.

Nur 2003, als der Golfkrieg ausbrach, verzichteten Ilka und Jens Homberg auf ihre geplante Reise ins südliche Algerien, genau zu dem Zeitpunkt, als mehrere Sahara-Reisende entführt wurden. „Bei der Entführung spielten wohl eher materielle als politische oder religiöse Aspekte eine Rolle“, erklärt Jens. In einer deutschen Großstadt sei die Gefahr, überfallen zu werden, viel größer als in der Wüste oder der Tundra.

Zwischen den großen Reisen sind die Hombergs viel in Deutschland unterwegs im Weserbergland und im Harz, in der Eifel und im Sauerland, in der Schwäbischen Alb und natürlich vor ihrer Haustür. „Es gibt in Deutschland viele schöne Ecken“, sagt Jens.

Spaß beim Planen

Und wohin reist Familie Homberg in diesem Jahr? Das Ziel steht noch nicht fest. Niels würde gerne in die Wüste, Ilka nach Syrien, Jordanien oder in den Libanon, Pferdenärrin Pia zieht es nach Island. Es könnte auch das Baltikum werden.

Ilka und Jens Homberg möchten sich eines Tages ihren großen Traum erfüllen: mit dem Motorrad durch Argentinien und Chile. „Planen macht fast genauso viel Spaß wie die Reise selbst“, freuen sie sich darauf.


 



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