OHMSTEDE, 28. Juli 2010


Große Leidenschaft für betagte Roller

Hobby Club der Heinkelfreunde Ammerland-Oldenburg veranstaltet Treffen – 58 Teilnehmer angemeldet


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Regelmäßige Treffen: Die Heinkelfreunde Ammerland-Oldenburg versammeln sich einmal im Monat zum Stammtisch in Ofen. Dort wird über die Maschinen gefachsimpelt und es werden Ausfahrten geplant. BILD: Heinkelfreunde  Bild vergrößern

Bis 1965 wurden die Heinkel-Motorroller hergestellt. Noch immer gibt es viele Fans. Einige von ihnen treffen sich am Sonntag in Oldenburg.

von Susanne Gloger

Ohmstede - „Das ist doch ein toller Klang“, sagt Heinz Welp stolz, nachdem er seinen Motorroller der Marke „Heinkel Tourist“ gestartet hat. Einfach den Schlüssel umgedreht, schon ist der Motor an. „Das war ja in den 50er Jahren eine der Besonderheiten. Der Heinkel hat keinen Kickstarter, sondern einen elektrischen Anlasser“, so Karl-Friedrich Reckemeyer. Er und Heinz Welp schwärmen seit ihrer Jugend für den Heinkel-Motorroller. Vor 13 Jahren gründeten sie mit anderen Fans den Club Heinkelfreunde Ammerland-Oldenburg.

Ihre ersten Heinkel-Roller haben sich Reckemeyer und Welp gebraucht gekauft. „Ich war 18 Jahre alt und hatte gerade meinen Führerschein gemacht“, erinnert sich Reckemeyer. Der 67-jährige Ohm­steder bezeichnet dieses Fabrikat als geniale Konstruktion, als den „Mercedes“ unter den Rollern. Der Heinkel Tourist sei damals allen Konkurrenten weit überlegen gewesen aber auch wesentlich teurer: 2000 DM musste man für einen neuen Roller auf den Tisch blättern: „Das konnten wir uns nicht leisten“. Konkurrenzmodelle kosteten zwischen 1000 und 1300 DM – aber für die interessierten sich die Heinkel-Fans nicht.

Wenn die beiden Ruheständler an die alten Zeiten denken, dann kommen sie ins Schwärmen. „Hinten auf dem Roller ein Mädchen drauf, und dann ging’s auf Tour. Das war ’ne dolle Zeit“, sagt Reckemeyer lachend.

Die letzten Heinkel-Motorroller wurden 1965 gebaut. Bis dahin habe die Firma ihre Händler in vorbildlicher Weise unterstützt und geschult, erklärt Karl-Friedrich Reckemeyer. Die Oldenburger Händler seien Munderloh und DKW Braasch gewesen. Bis zur Einstellung der Produktion – wegen fehlender Nachfrage – seien insgesamt etwa 300 000 Heinkel-Roller verkauft worden.

Nach ihrer jugendlichen Sturm-und-Drang-Zeit gingen es die beiden Motorrollerfans Reckemeyer und Welp ruhiger an. Beruf und Familie standen nun im Vordergrund. Sie verkauften ihre Maschinen billig.

Doch vor etwa 20 Jahren kamen bei den beiden Männern Gefühle der Nostalgie auf. Sie kauften sich wieder Heinkel-Roller. „Meiner war ein Scheunenfund in der Nähe von Lemwerder“, erzählt der 68-jährige Heinz Welp, der sich später noch ein zweites Gefährt zulegte. Auch auf Vatertagstouren waren die beiden Männer mit ihren Rollern unterwegs. Jedes Jahr gesellten sich mehr Heinkel-Fahrer dazu. „Daraus entstand dann der Club der Heinkelfreunde Ammerland-Oldenburg“, erklärt Reckemeyer.

Zum Stammtisch treffen sich die Freunde an jedem ersten Mittwoch im Monat im Tourist-Hotel Ofen an der Stadtgrenze zu Oldenburg. Gern unternimmt die Gruppe gemeinsame Ausfahrten. Für Sonntag, 1. August, haben die Heinkelfreunde andere Clubs zu einem großen Treffen eingeladen. „58 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet“, so Welp. Vom alten Pekol-Gelände an der Alexanderstraße werden sie nach Ofen fahren, um nach einem Mittagessen eine Rundtour durch Oldenburg zu unternehmen.

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1922 in Warnemünde von Ernst Heinrich Heinkel gegründet, wurden bis Mai 1945 an mehreren Standorten Flugzeuge konstruiert und produziert. Die Firma zählte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den größten deutschen Flugzeugbauunternehmen. Viele Erfindungen kamen aus diesem Haus: zum Beispiel das erste flugtüchtige, mit einem Strahltriebwerk versehene Flugzeug.

gingen alle Werke im Osten Deutschlands verloren, nur die Fabrik in Stuttgart blieb erhalten. Dort produzierte man Motoren für verschiedene Einsätze, auch für die Automobilindustrie.

begann man, das Moped „Heinkel Perle“ herzustellen. Danach konstruierte man den beliebten Motorroller „Heinkel Tourist“.

wurde der Typ „Tourist 103 AO“ gebaut, den Heinz Welp von den Heinkelfreunden Ammerland-Oldenburg besitzt. Der Motorroller hat ein Gewicht von 152 Kilo, eine Viergang-Handschaltung, einen Einzylinder-Viertaktmotor, einen Hubraum von 173 Kubikzentimeter, eine Zwölf-Volt-Anlage und eine Kette im Ölbad. Mit 9,2 PS erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h und verbraucht etwa 3,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Der Tank fasst zwölf Liter Kraftstoff.




 



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