Es geht um Zukunft
BILDUNGSSTREIK
Ein buntes Sammelsurium politischer Forderungen versuchen Schüler und Studenten in diesen Tagen mit ihrem Bildungsstreik Öffentlichkeit und Politikern ans Herz zu legen. Nicht jedem einzelnen Punkt auf der Agenda muss man unbedingt zustimmen. Manches Anliegen ist eher erheblichen Übergangsschwierigkeiten zuzurechnen – wie beispielsweise die Verwerfungen im Zusammenhang mit der Einführung des zwölfjährigen Abiturs, in Niedersachsen künftig auch an den Gesamtschulen. Diese Einschränkungen ändern nichts daran, dass der Bildungsstreik seine Berechtigung hat.
Es geht um die Zukunft der kommenden Generationen, um ihre ganz persönlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Und es geht um die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt und deren Fähigkeit, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten.
Vor einem Jahr rief die Kanzlerin das Ziel der Bildungsrepublik Deutschland aus. Bildung für alle als Voraussetzung für Wohlstand für alle, so Angela Merkel. Ein Bildungsgipfel mit Milliardenversprechen folgte. Die SPD argwöhnte bei der Union bereits Produktpiraterie, zählt die SPD das Eintreten für Bildung und dadurch Aufstiegsmöglichkeiten unabhängig von der Herkunft doch zum Kanon der ursozialdemokratischen Forderungen.
Passiert ist bisher jedoch relativ wenig. Der Bildungsgipfel mit den Ländern brachte finanzielle Versprechen, jedoch keine haushalterische Unterfütterung. Dabei sind die Probleme drängend: Zu wenig qualifiziertes Personal, zu große Klassen, zu volle Hörsäle, zu wenig Seminarplätze, ein sich bereits abzeichnender Fachkräftemangel. Und die frühkindliche Bildung, sprich der Ausbau der Kinderbetreuung, ist unterfinanziert, die Erzieher unterbezahlt. Ein Kraftakt im Bildungswesen wird benötigt, von der Ausbildung der Jüngsten bis zur Fortbildung der Ältesten.
Der Schüler- und Studentenprotest ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich Betroffene nicht mit wohlfeilen Versprechen abspeisen lassen.
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