HANNOVER/BREMEN, 18. Juni 2009


„Laut, weil ihr uns die Bildung klaut“

STREIK  Kundgebungen in Niedersachsen und Bremen – Schüler und Studenten fordern mehr Geld


KRITIK GAB ES AUCH AM NEUEN SCHULGESETZ. KULTUSMINISTERIN HEISTER-NEUMANN ZEIGTE VERSTÄNDNIS, MAHNTE ABER DIE REALITÄTEN AN.

Hannover/Bremen - Der gemeinsame Protest der Studenten und Schüler gegen die aktuelle Bildungspolitik wird lauter: Mehrere zehntausend junge Leute haben am Mittwoch mit Sternmärschen, Demonstrationen und Kundgebungen in 15 niedersächsischen Städten und Bremen ihrem Ärger Luft gemacht. Sie sind in den „Bildungsstreik 2009“ getreten und fordern bessere Lernbedingungen, mehr Geld für Bildung und weniger Leistungsdruck in den Schulen und auf den Universitäten.

In Hannover, Lüneburg und Oldenburg waren unter anderem Demonstrationen, Versammlungen und öffentliche Diskussionen geplant. Auch Schulen und Hochschulen in kleineren niedersächsischen Städten wie Aurich, Soltau-Fallingbostel und Vechta beteiligten sich an dem bundesweiten Streik.

Angaben des Innenministeriums zufolge hatten sich landesweit rund 16 000 Protestierende versammelt, der Landesschülerrat Niedersachsen sprach von etwa 53 000 Demonstranten, und die Polizeistellen in den Städten registrierten insgesamt rund 30 000 Schüler und Studenten. Insgesamt verliefen die Aktionen friedlich.

Die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) zeigte am Mittwoch in Hannover Verständnis für die Demonstrationen. „Ob das Investitionen in Bildung sind, ob das mehr Lehrerstellen sind oder mehr Ganztagsschulen – das sind alles Forderungen, die ich absolut nachvollziehen kann. Man sollte aber auch die Realitäten anerkennen, damit es wieder sachlicher wird.“

Die Studenten und Schüler hielten während der Protestkundgebungen bunte Plakate in die Höhe, schwenkten Fahnen und sangen gemeinsam ihren Bildungsschlachtruf „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut“. Auf der Kundgebung in Hannover kritisierten die Redner zudem das am Dienstag verabschiedete neue Schulgesetz und das darin verankerte „Turbo-Abi“ auch an Gesamtschulen.

„Es ist wichtig, dass die Schüler selbst etwas tun. Man muss sich wehren und nicht alles schweigend hinnehmen“, sagte Annette Borges aus Hannover. „Die Regierung scheint keinen richtigen Plan zu haben. Der Plan ist sparen“, sagte die 54-Jährige, die sich auch für bessere Bedingungen für die Lehrer einsetzt.

In Niedersachsen fehlen nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mindestens 3000 Lehrer. „So schlimm war die Lage noch nie und sie droht, schlimmer zu werden“, sagte GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt während der Kundgebung in Hannover.

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Der Vorsitzende des Landesschülerrates (LSR) Niedersachsen, Patrick Ziemke, wertete den Protesttag als großen Erfolg. „Wir fühlen uns in unseren Forderungen bestätigt.“ Das Land sei auf einem völlig falschen Dampfer. Die gemeinsamen Kundgebungen zeigten, dass von Schülern und Studenten landesweit endlich ein Kurswechsel erwartet werde.

Niedersachsens SPD-Landeschef Garrelt Duin bezeichnete die Aktionen als „absolut berechtigt“. Er kritisierte besonders das neue Schulgesetz der schwarz-gelben Landesregierung, weil es für mehr Stress an Schulen und Unis sorge und der „frühzeitigen Selektion von jungen Menschen Vorschub leistet“. Duin bekräftigte das Ziel der SPD, die Studiengebühren in Niedersachsen abschaffen zu wollen.

Die Proteste sollen den Initiatoren zufolge noch bis Ende der Woche andauern.

www.bildungsstreik2009.de




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