Mittlerweile Zwölf Tiere Verendet:
Wal-Bergung wird auf Wangerooge vorbereitet

Bagger ziehen Rinnen ins Watt, um die beiden Wale besser abtransportieren zu können. Sie sollen nach Wilhelmshaven gebracht werden. Derweil ist in der Wesermündung ein neues totes Tier entdeckt worden.

Wangerooge/Texel/Helgoland An der Nordseeküste sind in den vergangenen Tagen mindestens 12 Pottwale verendet. Fünf Tiere starben nach einem stundenlangen Todeskampf in der Nacht zum Mittwoch an der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel, ein weiteres Tier wurde am Donnerstag angespült. Drei Pottwale kamen an der Küste Schleswig-Holsteins ums Leben, bereits am Freitag waren zwei Wale auf der ostfriesischen Insel Wangerooge gestrandet.

In der Wesermündung, nahe Leuchtturm Obereversand, ist ein weiteres Tier am Mittwochnachmittag gefunden worden. Ein zweites soll in der Nähe gefunden worden sein – das wurde allerdings noch nicht vom niedersächsischen Umweltministerium bestätigt. Gemeldet worden ist auch ein Walfund auf der Vogelinsel Mellum, dies wurde jedoch von dem Mellumrat nach einem Kontrollflug widerlegt.

Es gibt keinen gestrandeten Pottwal auf Mellum. Dies hat ein gerade durchgeführter Kontrollflug eindeutig ergeben. Foto Luftbild Mellum 13.01.2015 © Heckroth/Mellumrat e.V.

Posted by Der Mellumrat e.V. on Mittwoch, 13. Januar 2016

Der zu den Zahnwalen zählende Pottwal ist weltweit verbreitet. Seinen Namen soll er durch einen Vergleich seines Kopfes mit einem Topf (niederdeutsch: pott) erhalten haben. Weibchen können etwa 11 Meter lang, Männchen bis zu 20 Meter lang werden. Pottwale leben gesellig und verständigen sich durch knarrende Laute. Sie können sehr tief tauchen und ernähren sich vor allem von Kraken und Fischen.

Die Männchen sind polygam und sammeln sich einen Harem. Ein weißer Pottwal spielte die tierische Hauptrolle in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“. In der Regel sind Pottwale dunkelgrau, aber sie bekommen mit zunehmendem Alter immer mehr helle Flecken. Alte Männchen können auch komplett weiß werden.

Warum sterben die Wale in der Nordsee?

Die Tiere hatten sich anscheinend in die Nordsee verirrt. Eigentlich schwimmen die Pottwale durch tiefere Gewässer. Sie können mehr als Tausend Meter tief tauchen. „Die Nordsee ist viel zu flach“, sagt ein Forscher. Außerdem gebe es dort zu wenig Nahrung für die Wale.

Pottwale sind häufig in größeren Gruppen unterwegs, wie der Fachmann erklärt. Forscher versuchen nun herauszufinden, ob die Wale in der Nordsee zusammengehörten. Unklar ist auch, warum sich die riesigen Meerestiere verirrten. Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund berichtete von verschiedenen möglichen Gründen: „Es kann natürliche Ursachen haben, an Unterwasserlärm, an Solaraktivitäten oder an Krankheiten liegen, aber auch an seismischen Aktivitäten oder militärischem Sonar.“

Fachleute sagen: In dem flachen Gewässer hätten sie nur wenig Chancen gehabt, zu überleben. „Es ist für sie schwer, wieder aus der Nordsee herauszukommen“, sagt einer der Experten. Die Tiere könnten sich in flachen Gewässern nicht so gut orientieren und gerieten in Panik.

Werden oft Wale an deutschen Küsten angespült?

Auf Wangerooge war zuletzt in den 1950er Jahren ein Orka-Wal gestrandet. Nach Angaben der Nationalparkverwaltung wurde 1994 auf Baltrum ein Pottwal angeschwemmt. Sein Skelett ist in Wilhelmshaven ausgestellt. 1996 hatte Norderney einen toten Pottwal. 2012 wurde auf Juist ein toter Zwerg- oder Minkwal entdeckt.

Was passiert jetzt mit den Kadavern?

Experten haben am Donnerstagmorgen im Hafen von Nordstrand in Schleswig-Holstein mit den Vorbereitungen für die Zerlegung der beiden nahe Helgoland entdeckten toten Pottwale begonnen. Beide Skelette sollten erhalten bleiben, sagte der Leiter des Multimar Wattforums, Gerd Meurs. Eines gehe nach Amrum, das andere voraussichtlich an eine deutsche Universität.

Die Niederländer gehen anders mit den angespülten Tieren um: Die Kadaver sollten mit einem Boot nach Harlingen transportiert und dort verbrannt werden.

Auf Wangerooge zieht sich die Beseitigung der beiden Pottwale hin. Laut der niedersächsischen Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz müsse für den rund 80.000 Euro teuren Abtransport der Kadaver zunächst Rinnen gegraben werden. Sie sollen beim Schleppen der Wale ins Meer als Art Führungslinie dienen. Die Unterspülung mit Wasser soll zudem den Abtransport der tonnenschweren Kadaver erleichtern. Am Donnerstagabend oder in der kommenden Nacht solle ein erster Schleppversuch unternommen werden, um die toten Tiere nach Wilhelmshaven zu bringen.

Auf der niederländischen Insel Texel haben Experten mit der Untersuchung der Kadaver begonnen. Eine Rettungsaktion war zuvor gescheitert.

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http://www.nwzonline.de/blaulicht/wal-bergung-wird-auf-wangerooge-vorbereitet_a_6,0,2922682131.html
15.01.2016
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