Denkmal:
„Unsere Stadt – unser Bahnhof“

Junge Leute protestieren auf Plakaten gegen den drohenden Abriss

Linken-Ratsherr Dieter Hashagen spricht sich für die Rathaus-Lösung aus. Die NWZ lädt an diesem Mittwoch in die Rollende Redaktion ein.

Brake Immer wieder bleiben Passanten stehen, lesen die Schilder und nicken anerkennend mit dem Kopf. „Toll, dass die das gemacht haben“, meint eine Bürgerinnen.

„Die“, das sind vier junge Leute aus Brake, denen es gewaltig stinkt, dass die Deutsche Bahn den Braker Bahnhof abreißen will. Gegen diese Pläne setzen sich Nicole Heine und Mareike Kahlert, beide 18 Jahre jung, sowie Cristian Janßen (19) und Sebastian Halle (22) zur Wehr. Buchstäblich in einer Nacht- und Nebelaktion haben sie an dem Bauzaun, der am Montag für den Abriss der Nebengebäude des Bahnhofs installiert worden war (die NWZ  berichtete), Protestplakate angebracht. „Respektiert den Denkmalschutz“, „Lasst der Stadt ihr Gesicht“, „Bagger weg!“ und „Unsere Stadt – unser Bahnhof“ ist unter anderem auf den Pappen zu lesen.

Während im Hintergrund ein Bagger mit den südlichen Nebengebäuden des Bahnhofs kurzen Prozess macht, bekräftigen Mareike und Nicole , was sie von dem drohenden Abriss des 1900 errichteten Bahnhofs halten – nämlich gar nichts. „Der Bahnhof ist eines der schönsten Gebäude in Brake“, meint Nicole, die eine Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten in Oldenburg absolviert. „Es kann doch nicht sein, dass dieses Aushängeschild der Stadt abgerissen werden soll“, ergänzt Gymnasiastin Mareike.

Zusammen mit den beiden Azubis Cristian Janßen und Sebastian Halle hatten sich die jungen Frauen am späten Montagabend auf dem Schützenplatz in Boitwarden getroffen, um ihre Protestplakate vorzubereiten. „Wir haben hinter einer Mauer eine Decke ausgebreitet und die Plakate gemalt“, berichtet Nicole. Als alles fertig war, machte sich das Quartett gegen Mitternacht auf zum Bahnhof. Nicole: „Zwei haben Schmiere gestanden, die anderen die Plakate aufgehängt“.

Nicht nur in der Bevölkerung stößt die Aktion auf Anerkennung. Nicole und Mareike haben am Dienstag Bürgermeister Roland Schiefke einen Besuch abgestattet. Der habe ihnen gezeigt, wie marode das Rathaus sei und sich „ganz begeistert“ von der Protestaktion gezeigt.

Nicole und Mareike stimmen mit dem Bürgermeister überein, dass das Rathaus gut aufgehoben wäre im Bahnhof. Sie können sich aber auch vorstellen, dass das denkmalgeschützte Gebäude für Gas-tronomie oder eine Disco genutzt wird.

Derweil fordert der Linken-Ratsherr Dieter Hashagen, dass sich der Stadtrat gegen den Abriss des Bahnhofs einsetzt. Hashagen ist der Ansicht, dass sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen ließen, wenn der Bahnhof als neues Rathaus hergerichtet würde. Das sehe er als „eine vernünftige Lösung und als Chance für Brake, aus einer Misere das Beste zu machen“ an, so der Ratsherr. In das Rathaus könnten auch ein kleines Café für Reisende, die auf den Zug warten, sowie ein Fahrkartenschalter integriert werden. Eingebunden werden müsste der auf diese Weise neu genutzte Bahnhof in ein schlüssiges Konzept für die Innenstadt.

Welche Meinung die Braker Bürger zur Zukunft des Bahnhofs haben, möchte die NWZ  an diesem Mittwoch von 10 bis 12 Uhr bei der „Rollenden Redaktion“ auf dem Marktplatz erfahren.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 

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Detlef Glückselig

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