11.08.2012

Flucht
Ausbruch des Gewaltverbrechers stellt Bremer Polizei vor Rätsel

Untersuchungshäftling weiter gesucht – Stahlblech verbogen und Spezialschrauben gelöst

Der 23-Jährige muss Werkzeug bei sich gehabt haben. Wie er dieses in den Raum schmuggeln konnte, ist unklar.
dpa

BREMEN Das Seil baumelt noch am Fenster, im Hof steht die Tür zur Straße sperrangelweit offen – und von dem Gefangenen fehlt jede Spur. Der filmreife Ausbruch eines Untersuchungshäftlings aus einer Zelle des Bremer Landgerichts stellt Polizei und Justiz vor ein Rätsel. Wie dem Mann die Flucht gelingen konnte, konnten sich die Behörden auch am Freitag noch nicht erklären.

Der 23-Jährige hatte am Donnerstag nach einer Gerichtsverhandlung das Schloss des Fenstergitters in dem Haftraum aufgebrochen. Dafür verbog er das Stahlblech und löste Spezialschrauben – eigentlich unmöglich ohne ein entsprechendes Werkzeug. Dann befestigte der Mann ein Seil an dem Fenstergitter und kletterte aus dem ersten Stock in einen Hinterhof, auf dem Müll gelagert wird. Durch eine aus Brandschutzgründen nicht verschlossene Tür gelangte er auf die Straße und in die Freiheit.

Doch wie konnte der Häftling das Werkzeug und das Seil in die Zelle schmuggeln? Das kann der Sprecher des Bremer Justizressorts, Thomas Ehmke, nicht beantworten. Für ihn steht fest: „Es muss davon ausgegangen werden, dass er Hilfe hatte.“ Dreimal hatten die Justizbeamten den Mann mit den Händen und einem Metalldetektor gefilzt: vor dem Transport ins Gericht, vor der Verhandlung und erneut, als er in der Zelle auf die Rückfahrt warten sollte. Auch den Raum hatten sie durchsucht.

Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem Flüchtigen. Er steht seit Januar wegen schweren Banddiebstahls vor Gericht und ist nach Angaben der Beamten gewalttätig. Am Freitagnachmittag fehlte noch immer jede Spur von ihm.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln außerdem wegen Gefangenenbefreiung. Auch eine interne Überprüfung in der Justizvollzugsanstalt, die für die Zelle im Landgericht verantwortlich ist, läuft. „Bisher gibt es keine Hinweise auf Pflichtverletzungen“, sagte Ehmke. Die Behörde will die Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht untersuchen.

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