Anstrengende 166 Meter in 72 Stunden
Radsport Zimmerleute bauen Holzoval für Bremer Sechstagerennen – Gefährlichste Bahn der Welt
von Olaf Ulbrich
Bremen - Der Lärm geht durch Mark und Bein. Das Echo in der riesigen, leeren Halle verstärkt die Wirkung der lauten Hammerschläge auf Eisennägel noch, das Schreien der Kreissäge schmerzt im Innenohr. In der Luft liegt der frische Geruch von geschnittenem Holz, die Späne der Sibirischen Fichte verströmen einen ganz besonderen Duft.
Zimmerleute und Tischler machen seit Sonntagabend in der Bremer ÖVB-Arena mächtig Tempo. 166 Meter in 72 Stunden – bis Donnerstag muss sie stehen, die Holzbahn, über die beim 48. Sechstagerennen die Radprofis mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 Kilometern pro Stunden hinwegdonnern.
Dabei haben es die Arbeiter in diesem Jahr etwas leichter. „Für den Bau der Steilkurven wurde ein neues System entwickelt“, erklärt Sixdays-Sprecher Thorsten Schmidt. 25 Kilometer laufende Leisten wurden bisher mit 150 000 per Hand eingeschlagenen Nägeln verbaut. „Diesmal werden stattdessen Platten verschraubt“, erläutert Schmidt.
Diese werden auf eine Unterkonstruktion aus Spanten aufgebracht und seien wiederverwendbar. Bislang wurden die verbauten Latten gleich nach Renn-Ende zersägt und entsorgt.
Eine große Herausforderung stellt neben der Montage der beiden 35 Meter langen Geraden vor allem die Montage der 5,20 Meter hohen Kurven dar. Sie sind das Herzstück der gefährlichsten Sechstagebahn der Welt. „Sie ist technisch am schwierigsten, weil sie so eng ist“, hat sogar Routinier Robert Bartko Respekt vor dem Bremer Oval. „Man braucht immer eine Zeit lang, um sich einzugewöhnen“, betont der 36-jährige Potsdamer, der seinen Titel an der Seite des Niederländers Peter Schep verteidigen will.
Während des Rennens, das an diesem Donnerstag um 20.30 Uhr durch den Musiker Johannes Strate von der Bremer Rockband „Revolverheld“ („Helden 2008“) angeschossen wird, sind stets „Feuerwehrmänner“ in der Halle. Geht ein Stück der Bahn kaputt, sind sofort die Zimmerleute zur Stelle – standesgemäß in ihrer traditionellen Arbeitskluft mit Schlaghose, Manchesterjacket und -weste sowie breitem Schlapphut.
Doch zurück zum Bahnbau: Wenn die Zimmerleute ihr Werk vollendet haben, kommen die Werbemaler. Sie bringen auf die glatt geschliffene und polierte Holzoberfläche die Sponsorenlogos auf. Sie sorgen auch für die Beschriftung der Stirnkante der Westkurve. Diese ziert die Namen aller Sieger von 1965 bis 2011 in der Stadthalle.
Das erste Bremer Sechstagerennen fand indes bereits 1910 in den Festsälen der Gaststätte „Schützenhof“ statt. Dort hatten die Veranstalter eine 95,6 Meter lange Bahn eingebaut, deren Kurvenerhöhung 43 Grad betrug. Das brachte ihr den Spitznamen „Nudeltopf“ ein. Beim Sieg von Willy Arend und Eugen Stabe ging der Lärm – so ist es überliefert – übrigens durch Mark und Bein.
@ Infos: http://www.NWZonline.de/bremer-sechstagerennen
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